Ausstellung

Dave Allen

daveDer schottische Künstler Dave Allen, der durch Videos und Installationen bekannt geworden ist, die das Verhältnis von Bildender Kunst und Rockmusik thematisieren und der folglich als einer der Hauptakteure des Pop-Kunst-Crossover verhandelt wurde, verfolgt ein entschieden breiteres Interesse: Die für die Ausstellung konzipierte Installation ist eine Fortführung seiner Untersuchung von Musik als Darstellungsform, bei der er Kompositionen auf scheinbar einfache Strukturen reduziert und in eine bildliche Form transferiert oder die Stille in leeren Konzertsälen und Tonstudios aufnimmt, wie in seiner Serie „Silent Recordings“ (2001) geschehen.

Die in der halle_für_kunst gezeigte Installation doppelt diesen Transfer von einem Darstellungsmodus in den anderen, indem Allen eine klassische Adaption von Vogelstimmen mit dem realen Gesang der Spottdrossel konfrontiert.

Im ersten Ausstellungsraum spielt das Stück „Catalogue d’Oiseaux“ des Franzosen Olivier Messiaen (1908-92). Messiaen, Komponist und Ornithologe, begann Anfang der 50er Jahre, in der freien Natur Vogelstimmen zu notieren und sie für seine Musik nutzbar zu machen. So stellt der 13sätzige Klavierzyklus „Catalogue d’Oiseaux“ (1956-58) in jedem Satz nicht nur einen bestimmten Vogel zusammen mit anderen Vögeln desselben Reviers vor, sondern zusätzlich die ihn umgebende Natur mit ihren Geräuschen, Farben und Düften.
Dem gegenüber, im zweiten Raum, befinden sich lebende Spottdrosseln. Die Spottdrossel gehört zu den eifrigsten Sängern der Vogelwelt, wobei sie alles, von anderen Vogelliedern bis hin zum Knarren von Türen, nachahmt. Ihr Gesang wird in entscheidender Weise von ihrem Umfeld geprägt.

Die in postminimalistischer Manier gehaltene Installation zielt auf das Problem der Wahrnehmung bzw. der Übersetzungsmodalitäten: Tierstimmen aus der Realität werden von der Musik adaptiert, um wiederum – in einem Ausstellungsraum – in modifizierter Form zu ihrem Ausgangspunkt zurückzukehren.

Dave Allen wurde 1963 in Glasgow geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin.

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