Ausstellung

»nur eine gewohnheitsfrage…«

 

Carine Altermatt – Christine Lohr – Jan Schomburg – Svetlana Zyabkina

»Nur eine Gewohnheitsfrage…« ist ein Zitat von Michel Houellebecq und spielt auf die unterschiedlichen, teils absurden Konditionen an, unter denen sich das Leben abspielt.
Wir haben eine Reihe junger Künstlerinnen eingeladen, die ihr alltägliches Umfeld mit kritischen Augen betrachten und bei denen auch scheinbar nebensächliche Handlungen und Situationen auf Aufmerksamkeit stossen. Sie zeichnen Geschehenes und Erlebtes auf und registrieren kleine Begebenheiten, sei es selbst Erlebtes oder zufällig Beobachtetes.

Carine Altermatt (F) hat den 11. September 2001 auf sehr persönliche Art und Weise erlebt. Sie und ihre Zwillingsschwester haben an diesem Tag Geburtstag und mussten – getrennt voneinander – mitansehen, wie die Twin Towers zusammengebrochen sind. Die Videostills verknüpfen ein dramatisches Weltereignis mit einer sehr persönlichen Geschichte. Christine Lohr (D) zeichnet kleine Begebenheiten in minimalistischer Manier und unterlegt diese mit kurzen Überlegungen zur Situation. Oder aber sie fotografiert ihre Umgebung. Flüchtige, zunächst banal erscheinende Eindrücke werden beim genaueren Hinsehen zu Feststellungen von großer Wichtigkeit. Jan Schomburg (D) erzählt in seinem Film „Turnverein“ die Geschichte eines kleinen Jungen, der lernen möchte, immer höher zu springen. Im Hintergrund dieser Versuche erfährt man von seiner Gegenwart – das Springen wird zu einem kraftvollen Ausbruchsversuch. Svetlana Zyabkina (RUS/D) hat alltägliche Szenen in Weissrussland fotografiert und diese mit kurzen Sätzen verbunden, die das Selbstverständnis einer Nation andeuten. Sorgt der auffallende Kontrast zwischen realistischer Darstellung und dem Wunschdenken einer Gesellschaft anfangs noch für Amüsement, so bleibt einem bei näherer Betrachtung das Lachen im Halse stecken.

Gemeinsam ist allen künstlerischen Arbeiten, dass sie vom Alltäglichen ausgehen und in diesem die Dimensionen des gemeinhin „Bedeutenden“ erkennen. Alltag meint das Wiederkehrende und Unspektakuläre an unserem täglichen Leben, gewissermaßen den Werktag und nicht den Sonntag. Alltag meint aber auch den Alltag von gesellschaftlichen Gruppen und die ökonomischen und sozialen Bedingungen, unter denen er sich abspielt.
Hier fungiert Kunst – abseits des Spektakels – als veritable Erkenntnismethode.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

Die Ausstellung wird unterstützt vom Land Niedersachsen, der Stadt Lüneburg, dem Lüneburgischen Landschaftsverband und der Sparkassenstiftung Lüneburg.

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