Ausstellung

Cooling Out – zur Paradoxie des Feminismus

3 Hamburger Frauen, Anette Baldauf/Dorit Margreiter, Naomi Fisher for the Radical Cheerleaders, Dani Gal, Andrea Geyer/Sharon Hayes, Katrin Mayer,Josephine Meckseper, Mosh Mosh, Elodie Pong, Ella Ziegler

 

Cooling Out – Zur Paradoxie des Feminismus wurde von Sabine Schaschl-Cooper (Kunsthaus Baselland, Muttenz/Basel), Bettina Steinbrügge (Halle für Kunst, Lüneburg) und René Zechlin (Lewis Glucksmann Gallery, University College, Cork) initiiert und findet gleichzeitig in den drei Ausstellungshäusern statt.

Kuratiert von Bettina Steinbrügge
Kuratorische Assistenz Lisa Mazza

Die ursprünglichen Ziele der Frauenbewegung sind, soweit es nicht um kulturell vermittelte Rollenbilder und um Habitusformen geht, sondern um rechtliche Gleichstellung, um Bildungschancen für Frauen und um die Einhegung männlicher Gewalt, nahezu durchgesetzt worden. Es scheint jedoch, als sei die Frauenbewegung ein Opfer ihrer Erfolge geworden, als habe sie sich de facto selbst abgeschafft, weil gerade junge Frauen unter Gesichtspunkten der Bildungsbeteiligung und Chancengleichheit nicht mehr erkennen können, wo sie gravierend benachteiligt wären. Dementsprechend reagieren sie nicht selten geradezu allergisch und gereizt auf den mainstream Feminismus, auf deklarierte Frauenförderung und auf Quotierungen, weil sie entsprechende Defizite nicht mehr sehen und auch nicht in imaginäre Opferrollen gedrängt werden wollen. Der Begriff des Feminismus ist mittlerweile somit vielfach negativ konnotiert. Aber dass es so einfach nicht ist, beweisen Symptome wie das „Cooling Out“ – die Integration von Frauen in die Systeme der höheren Bildung bei ihrer gleichzeitigen eher unmerklichen Lenkung in Studienprogramme, Berufsfelder und berufliche Positionen mit geringerem Status, Einfluss und Einkommen – oder auch die Ergebnisse einer Studie des MIT von 1998, welche nahe legen, „that gender discrimination in the 1990s is subtle but pervasive, and stems from unconscious ways of thinking that have been socialized into all of us, men and women alike.“ Es scheint schon lange keine Frauenbewegung mit legitimen Zielen mehr zu geben, sondern nur Frauen im Gefüge sozialer Mechanismen. Zu einer solchen Sicht tendieren insbesondere gut ausgebildete Single-Frauen der oberen Mittelschicht, die meinen, dass sie mit nahezu gleichen Chancen an der Gestaltung des öffentlich-politischen Lebens teilnehmen, sofern sie einigermaßen klug im Gefüge männlicher Strukturen agieren. Die Hebung von Selbstbewusstsein und Selbstachtung der Frau, ein deklariertes Ziel des Kampfes um Anerkennung, den die zweite Generation des Feminismus führte, scheint gelungen, nicht selten allerdings auf der Grundlage imaginärer Vorstellungen über gesellschaftliche Machtverhältnisse.

Peggy Phelan zufolge beruht der Feminismus auf der Überzeugung, dass Geschlecht im Sinne von „Gender“ eine fundamentale Kategorie für die gesellschaftliche Ordnung darstellt. Grundlegend für diese Ordnung ist ein hierarchisches Muster, das normalerweise Männer über Frauen stellt und sie in vielen Hinsichten bevorzugt. Obwohl viele Forderungen der feministischen Bewegung nachweislich durch- und umgesetzt werden konnten, ist es um das kulturelle Bild der Frau wie auch um ihre reale Verankerung im „Machtfeld“ somit immer noch schlecht bestellt. Ein gewisser Backlash auf der Ebene des Frauenbildes, das auch überkommenen Vorstellungen der Teilung der geschlechtlichen Arbeit in einer Zeit der Krise der Arbeit folgt, geht mit einer Marginalisierung emanzipatorischer Forderungen nach Autonomie und voller Gleichberechtigung einher. Inwiefern wird der Körper immer noch zur Basis weiblicher Identität gemacht, von Männern wie auch von Frauen? Wenn wir von einer Wiederkehr von Sexismen sprechen, stellt sich die Frage, wie gerade jüngere Künstlerinnen sich angesichts solcher Tendenzen verhalten. Schließlich haben kritische feministische Strömungen und Künstlerinnen wie Hannah Wilke oder Nancy Spero sexuelle Inhalte in der Kunst weithin salon- bzw. sogar museumsfähig gemacht.

Die Ausstellung widmet sich den aufgeworfenen Fragen. Sie sucht insbesondere nach Antworten, wie junge Künstlerinnen der „postfeministischen Generation“ derzeit mit diesem Thema umgehen, ob und in welchen Formen auch bei ihnen Ambivalenzen oder auch ablehnende Haltungen dem Thema Feminismus gegenüber zu finden sind. Wie ist der Feminismus konnotiert? Werden Unterschiede zwischen dem „Differenzfeminismus“ und konstruktivistischen Spielarten des Feminismus gemacht, also Unterschiede zwischen essentialistischen Auffassungen von Weiblichkeit und diskursiv-relativistischen Ansätzen, die keine identitätspolitische Perspektive verfolgen?

Zum Gesamtprojekt erscheint ein im Januar 2007 Katalog Katalogbuch bei JRP/Ringier in Zürich (CH). Das gesamte Projekt wird von dem Land Niedersachsen, der Stadt Lüneburg, dem Lüneburgischen Landschaftsverband und der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Für diese Förderung bedanken wir uns ganz herzlich.

 

Rahmenprogramm:
10. Oktober, 19h Lesung # 2 Bad Girls
18. Oktober, 18h Panel Discussion
Cooling out- Was ist eigentlich aus dem Feminismus geworden?

 

Führungen (jeweils 15h):

24. September
08. Oktober
22. Oktober

Gesamtprogramm des Kooperationsprojektes:

Kunsthaus Baselland / Muttenz:
www.kunsthausbaselland.ch

13. August – 1. Oktober
Eröffnung 12. August

3 Hamburger Frauen, Maura Biava, Esra Ersen, Sylvie Fleury, Dani Gal, Andrea Geyer/Sharon Hayes, Zilla Leutenegger, Eric van Lieshout, Katrin Mayer, Josephine Meckseper, Renata Poljak, Elodie Pong, Radical Cheerleaders, Aurora Reinhard, Maki Tamura, Pernille Kapper Williams, Ella Ziegler

Panel – Diskussion: 06. September. 18:30h

„Cooling Out – Beweggründe, Bedeutung und Perspektive gegenwärtiger Feminismusdebatten“, Round-table mit Edith Krebs (Zürich), Rachel Mader (Bern), Katrin Mayer (Hamburg), Brita Polzer (Zürich). Moderation: (Lüneburg)

Lewis Glucksman Gallery / Cork:
www.glucksman.org

01. September – 26. November
Eröffnung 31. August

3 Hamburger Frauen, Shannon Bool, Cabello/Carceller, Esra Ersen, Dani Gal, Andrea Geyer/Sharon Hayes, Jaki Irvine, Katrin Mayer, Josephine Meckseper, Michaela Meise, Elodie Pong, Aurora Reinhard, Una Quigley, Pernille Kapper Williams

Panel – Diskussion: 4. November

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