Ausstellung

BETTINA COHNEN – FAKE

»FAKE«
Installationsansicht
Halle für Kunst
2009
Foto: Bettina Cohnen

Grußwort zur Eröffnung von Frau Ulrike Schneider (Niedersächsische Sparkassenstiftung)

Halle für Kunst in Lüneburg und der Kunstverein Hildesheim freuen sich, anlässlich des vom Land Niedersachsen und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung im Jahr 2008 an Bettina Cohnen vergebenen New York-Stipendiums in zwei parallel stattfindenden Ausstellungen einen Überblick über ihre bisherige künstlerische Produktion zu geben.

Der Versuch, durch das Nachstellen von Ereignissen bestimmte historische, kulturelle oder politische Situationen emphatisch zu begreifen, bildet die Folie zahlreicher Arbeiten von Bettina Cohnen. In Fotografien und Filmen werden Ereignisse und Phänomene verdoppelt und durch die Überlagerung von Vor-Bild und Wiederholung als fragwürdig dargestellt. So setzt sie sich beispielsweise in Selbstporträts, die das fotografische Auge berühmter Fotografen und Fotografinnen imitieren, ironisch in Szene, dekliniert in Selbstinszenierungen die Bandbreite weiblicher Stereotype oder dokumentiert ihre Partizipation an Traditionen, die in New Yorker Vereinen praktiziert werden. Anhand dieser Reenanctments, die immerzu zwischen offensichtlicher Inszenierung und vermeintlicher Authentizität oszillieren, zeigt Cohnen stark klischierte Rollenbilder und Identitäten, um gleichzeitig ihre jeweiligen Konstruktionen offen zu legen.

In den Ausstellungen in Hildesheim und Lüneburg werden frühere Arbeiten mit aktuellen Serien kombiniert, die während ihres Aufenthalts in New York oder in direktem Anschluss daran entstanden sind. Die Ausstellung FAKE in der Halle für Kunst Lüneburg eV setzt die fotografischen Serien »Spieler« (2006/2007), »Reminiszenzen« (2008) sowie die Videoarbeit »Learning German« (2008/2009) in ein dialogisches Verhältnis. In der Fotoserie »Spieler« nähert sich die Künstlerin mit kritischem Blick der seit einiger Zeit vielerorts verbreiteten Freizeitbeschäftigung, die ihre Erfüllung in Reenactments von historischen Ereignissen findet. Während bei den gemeinschaftlichen Rollenspielen der »Spieler« – großformatige Aufnahmen von Reenactors, die durch den heroischen Gestus der aufblickenden Kameraperspektive pathetische Überhöhung erfahren – nachgefühlte Glorifikation und Zweifel amalgamieren, steht bei der in New York entstandenen Serie »Reminiszenzen« die konservierende Affirmation kollektiver Praktiken im Vordergrund. Für »Reminiszenzen« besuchte und fotografierte Bettina Cohnen deutschstämmige Amerikaner/innen. In Schützen- und Volksvereinen organisiert, suchen sie die Idee einer ersehnten und verlorenen Heimat in Identität proklamierenden Ritualisierungen zu revitalisieren. Die Frage, ob die Suche nach Identität in der Zelebrierung museal anmutender kultureller Klischees in einer auf Zeichen reduzierter Kultur befriedigt werden kann, stellt sich Bettina Cohnen in der Videoarbeit »Learning German«. Ein Film, der Cohnens eigene Versuche zeigt, in den oben genannten New Yorker Vereinen Schuhplattlern und Jodeln zu erlernen.

Die Ausstellung FICTION im Kunstverein Hildesheim (26. September – 22. November 09, Eröffnung 25. September) fokussiert insbesondere den narrativen und filmischen Charakter der Arbeiten von Bettina Cohnen, wie er in der im Jahre 2006 begonnenen Fotoserie »Nebenschauplätze« zum Ausdruck kommt.

Zur Ausstellung erscheint Bettina Cohnens erster monografischer Katalog »Reality is Overrated« im Kerber Verlag.

Unser herzlicher Dank gilt dem Land Niedersachsen, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, dem Lüneburgischen Landschaftsverband und der Stadt Lüneburg

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