Ausstellung

Anita Leisz Ulla Rossek

Obgleich der Impuls Nahe liegt – denn warum, wenn nicht miteinander in Beziehung gesetzt, sollten sonst zwei künstlerische Positionen zusammen gezeigt werden – lassen sich Anita Leisz‘ und Ulla Rosseks Arbeiten nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Weder kreisen sie um vergleichbare inhaltliche, noch um ähnliche formale Fragestellungen. Dennoch gibt es eine Ebene, auf der sie sich entsprechen; auch wenn diese schwerer als die Differenzen beider Positionen zu fassen ist.

Möchte man die Arbeiten von Anita Leisz beschreiben, so können sie als rechtwinklige Skulpturen oder Objekte variierender Größe beschrieben werden. Sie sind aus industriell gefertigten Materialien hergestellt und erscheinen in ihrer Klarheit und zugleich spröden Poesie hermetisch und geradezu selbstbezüglich; obschon sie sich im Ausstellungsraum selbst dann sehr wohl in Bezug zum Raum, zum menschlichen Körper und zur Architektur setzen. Ulla Rosseks Arbeiten hingegen gründen in einer inhaltlichen Recherche und damit in einem Außen, das benannt und erschlossen werden kann. Ausgehend von thematischen Interessen, die sich etwa auf die Kleinfamilie als gesellschaftliche Idealkonstruktion und Technik der Normierung wie auch auf das Verhältnis von Psychoanalyse und Geld richten, überführt Rossek ihre Überlegungen in verschiedenste ästhetische Sprachen und formale Analogien. So als suche sich das Thema jeweils seine Form.

Mehr als die hier nur grob umrissenen Differenzen interessiert im Zuge der Überlegungen zur Ausstellung jedoch der Ursprung des Interesses, beide Positionen trotz aller Unterschiede gedanklich zusammenzuführen. Dieser liegt in einem diffusen Gemeinsamen, das sich wie ein dünner Faden von Arbeit zu Arbeit spinnt. Vielleicht könnte man ihn am ehesten als „Lautstärke“ beschreiben, mit der gesprochen wird. Rosseks Arbeiten etwa entstehen in einem extrem langsamen Arbeitsprozess und basieren auf äußerst reduzierten und sparsamen Gesten. Fast als wolle sie möglichst lange vermeiden, dass überhaupt so etwas wie „Kunst“ in Form eines Objektes entsteht. In Lüneburg zeigt sie unter anderem lediglich das Modell einer Raum füllenden Kokosnuss voller Münzen, die wiederum im Modell des Ausstellungsraumes platziert ist. Keine Produktion also, vielmehr eine Akkumulation von unzähligen Gedanken und unendlich viel Zeit in einem kleinen Objekt, mit dem nur etwas angedeutet wird, was aber dennoch da ist, was vor allem im Kopf stattfindet und damit alles andere als „laut“ ist. Dabei sind Rosseks Arbeiten keineswegs defensiv, sondern im Gegenteil in ihrer Zurückgenommenheit äußerst klar, entschieden und pointiert.

Als sei auch Anita Leisz jede Geschwätzigkeit, jedes Zuviel zuwider zeugen auch ihre Arbeiten von einer äußersten Reduktion und Striktheit und besitzen trotz oder gerade wegen ihrer extremen Einfachheit und Präzision eine überaus starke Präsenz. Sich dem Detail widmend, entstehen sie in einem Arbeits- und Bearbeitungsprozess, der zu einer Notwendigkeit führt. Diese Konzentration, die auf jedes konkrete Objekt, auf jedes spezifische Problem abzielt und nicht auf die Idee oder Vorstellung von den Objekten im Allgemeinen, verleiht den Arbeiten eine Energie, Aufgeladenheit und Spannung, der man eben anmerkt, dass hier Tausende von minuziösen Entscheidungen gebündelt, gespeichert und hochkonzentriert „eingekocht“ sind. Und vielleicht gerade deshalb, dass heißt um die Konzentration zu wahren, müssen Leisz’ Arbeiten auch so hermetisch sein. Das hört sich schwer an, ist es aber nicht, denn trotz ihrer Konsequenz und Ernsthaftigkeit, sind Leisz’ Arbeiten zugleich flüchtig und leicht.

 

Arbeiten von Ulla Rossek (*1978) wurden u.a. gezeigt im Kunstverein Leipzig (2016), in der Galerie der Stadt Schwaz (2015), im C.G. Jung Institute of New York (2013), im Boltenstern.Raum der Galerie Meyer Kainer, Wien (2012), im Kölnischen Kunstverein (2011), im Pavillon vor der Volksbühne, Berlin (2011), bei Pro Choice, Wien (2008), bei After the Butcher, Berlin (2009), bei Samsa, Berlin (2008), in der Kunsthalle Exnergasse, Wien (2007), im Kunstverein Braunschweig (2005), in der Collective Gallery, Edinburgh (2004), im kjubh, Köln (2004) und im Kunstverein München (2003).

 

Arbeiten von Anita Leisz (*1973) wurden u. a. gezeigt in der Kunsthalle Exnergasse, Wien (2017), im 21er Haus, Wien (2016), in der Galerie Francesca Pia, Zürich (2016), in der Stadtgalerie Schwaz (2016), in der Galerie Meyer Kainer, Wien (u.a. 2016), bei Neue Alte Brücke, Frankfurt am Main (2016), in der Kunsthalle Krems (2015), im Künstlerhaus Graz (2014), im Kunsthaus Bregenz (2014), in der Bortolami Gallery, New York (2013), bei Lars Friedrich, Berlin (2013), in der Renwick Gallery New York (2012), im Haus der Kunst, München (2012), im Kunstverein Nürnberg (2010), in der Städtische Galerie Nordhorn (2009), bei Croy Nielsen, Berlin (2008), in der Kunsthalle Exnergasse, Wien (2008), im Kunstverein Braunschweig (2007), im Salzburger Kunstverein (2007), im Kunstverein Langenhagen (2005), in der Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (2004), in der Secession, Wien (2002), in der Galerie Karin Guenther, Hamburg (2001), in der Generali Foundation, Vienna (2000), im Grazer Kunstverein (1998) und in der Kunsthalle Nürnberg (1997).

 

Veranstaltungen

Kinderworkshop »Geld drucken«

mit Anita Leisz und Ulla Rossek
Samstag, 09. September 2017, 14.00 – 16.00 Uhr
Für Kinder von 6 -12 Jahren

Führung durch die Ausstellung
Donnerstag, 28. September 2017, 18.30 Uhr

Filmvorführung von Bankräuberfilmen
Donnerstag, 12. Oktober 2017, 19.00 Uhr

 

Die Ausstellung wird grosszügig gefördert durch das Land Niedersachsen, die Sparkassenstiftung Lüneburg, den Lüneburgischen Landschaftsverband, die Hansestadt Lüneburg, das Bundeskanzleramt Österreich und das Land Steiermark. Das Vermittlungsprogramm wird ermöglicht durch das Land Niedersachsen, die VGH-Stiftung und die LueWoBau Stiftung. 

 

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