HALLE FÜR KUNST LÜNEBURG eV
JAHRESGABEN
2011
2010
2009
2008

MALTE URBSCHAT

 

1 2 3 4 5

»Schleifpapiere«, 2009
ca. 23 x 28 cm
5 Unikate
Diese Jahresgabe ist leider bereits vergriffen.

ZURÜCK

Der in Hamburg und Berlin lebende Künstler Malte Urbschat (*1972 in Kellinghusen) setzt für seine sinnesreizenden Arrangements fast ausschließlich povere und leuchtende Materialien ein, von denen die Gegenwart durchdrungen ist. Neben Fundobjekten dominieren glänzende Oberflächen, Signalfarben und Klebebänder seine assoziativen und modellhaften Entwürfe, die eine enge Naht zwischen Rationalität und Mystik in der westlichen Welt visualisieren. Malte Urbschats künstlerische Versuchsaufbauten reflektieren sichtbare und unsichtbare autoritäre Praktiken, deren machtvolle Effekte das vordergründig Normale und Alltägliche des gesellschaftlichen Lebens produzieren und verfestigen. Verstörende und ungeklärte Themenkomplexe wie Überwachung und Kontrolle, Krankheiten mit scheinbar visionärer Symptomatik, Verschwörungstheorien, Glaubensmuster und Waffentechnologien bilden sein Forschungsfeld und liefern Denkbilder für seine sinnlichen, raumzeichnerischen Skulpturen, Bilder und Collagen.

Als Jahresgabe für Halle für Kunst Lüneburg hat Malte Urbschat in Istanbul die Serie »Schleifpapiere« (2009) produziert, die sich auf die Geschichte eines Admirals der osmanischen Marine und eine unerklärliche Bruchstelle in der Geschichtsschreibung bezieht. Piri Reis (*1470- 1554/55), einer der bedeutendsten Kartographen und Seefahrer des Osmanischen Reiches, hat auf seiner berühmtesten Karte von 1513 die vom Eis befreite Nordküste der Antarktis (305 Jahre vor der offiziellen Entdeckung der Antarktis im Jahre 1818) so detailgenau gezeichnet, dass bis heute spekuliert wird, welche geheimnisvolle Zivilisation diese geographisch hochpräzisen Messungen vor der Vergletscherung der Antarktis im Zeitraum zwischen 13000 v. Chr. und 4000 v. Chr. vorgenommen hat und ob jene Informationen über die Kreuzzüge nach Konstantinopel gelangten. Malte Urbschats expressive Papierarbeiten greifen die Ästhetik jener alten Karte formal auf. Abstrakte Farbfelder aus Glitzerpuder und Pigmenten, die in der türkischen Kultur insbesondere für Festlichkeiten als Dekoration eingesetzt werden, vollziehen eine unbestimmte Kartierung abseits geographischer Details und widersetzen sich gängigen Erwartungen an Malerei und Formalismus. Diese schillernden Flächen auf Sandpapier skizzieren vielmehr charakteristische Manöver der Blendung, Täuschung und Verunsicherung, die nicht nur auf hoher See und in kriegerischen Auseinandersetzungen zum Einsatz kommen, sondern auch innerhalb kultureller Landschaften und ihrer Überlieferungen.

Text: Ulrike Gerhardt

ZURÜCK

Ausstellungen (Auswahl)

2009

»under close monitoring«, FORGOTTEN BAR PROJECT, Galerie im Regierungsviertel, Berlin (E)
»behind the sun«, Galerie Mikael Andersen, Kopenhagen (E)
»Narcotica«, FORGOTTEN BAR PROJECT at Schalter Basel, Basel (G)
»So müd` des Glanzes Schein«, Galerie für Landschaftskunst, Hamburg (E)
»Systeme«, M1 Arthur Boskamp Stiftung, Hohenlockstedt (G)
»Aufgegabelt unterm Sternenaug«, neue Positionen / Art Cologne (E)

2008

»shifting images«, Galerie Oelfrüh, Hamburg (E)
»Lange Rochade / the queenside castling«, FORGOTTEN BAR PROJECT, Galerie im Regierungsviertel, Berlin (E)
»Werke dreier lebender deutscher Künstler«, mit Michael Conrads and
Volker Hueller, Wiensowski & Harbord, Berlin (G)
»Nach einer langen dunklen Nacht«, Künstlerhäuser Worpswede (E)
»Should I stay or should I go«, Galerie der Wassermühle Trittau (E)

2007

»Bis hierher und nicht zurück«, Peripherie IV, Galerie für Landschaftskunst, Hamburg (E)
»Reinsehlen«, Kunstverein Neuenkirchen, Stiftung Springhornhof (G)
»Um-kehrungen«, Kunstverein Braunschweig (G)

2006

»/////«, Stadt Venloe/Simultanhalle, Köln (G)
»Terrain Vague Wheely«, Bonner Kunstverein (G)

2005 j»etzt oder nie«, together with Guelsuem Gueler, Sammlung Golden Pudel Club, Hamburg (E)
»don`t accept mañana«, DIE BLAUE KUGEL, Kunstverein Braunschweig (G)