HALLE FÜR KUNST LÜNEBURG eV
JAHRESGABEN
2011
2010
2009
2008

ULLA VON BRANDENBURG

 

»o.T.«, 2008
Papier auf Papier
ca. 23 x 31 cm
Auflage 3 Unikate
Diese Jahresgabe ist leider bereits vergriffen.

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Die in Paris lebende Künstlerin Ulla von Brandenburg (*1974, Karlsruhe) arbeitet in den Medien Zeichnung, Wandmalerei, Film, Scherenschnitt, Installation und Performance. In ihrer künstlerischen Praxis bedient sie sich Darstellungsformen unterschiedlicher Epochen, um sie aus der Perspektive des Jetzt auf ihr überzeitliches, gespensterhaftes Potenzial zu befragen. Die einzigartigen Posen und Gesten der Jahrmarktinszenierungen oder der Tableaux Vivants des 18. Jahrhunderts inspirieren sie zu künstlerischen Adaptionen, die das Verhältnis von Schein und Sein, von gesellschaftlichen Zwängen und Abseitigem ausloten. Die für wenige Minuten eingefrorene Bewegung der Darsteller eines Tableaux Vivants erzeugt beispielsweise genau jenen theatralen Effekt, der in vielen ihrer Werke zentrales Motiv ist. Durch die mysteriöse Kombinatorik und die Übertragung in einen aktuellen Zeitbezug wirken die eingefangenen Gesten wie ein Filter, der sich zwischen Inszenierung und Rezeption schiebt und eine Vielzahl an Interpretationsmustern sichtbar macht.

Für Halle für Kunst hat Ulla von Brandenburg ausgehend von vorgefundenem Bildmaterial drei Scherenschnitte gefertigt. In ihrer Abstraktion wirken die Bilder wie enigmatische Schatten der Vorlagen, die den Betrachter zum Komplizen ihrer Dechiffrierung werden lassen. So sieht man zwei elegant gekleidete Männer versunken an einem Klavier sitzen. Nur der Vordere scheint zu spielen, der Blick der Person im Hintergrund ist starr nach vorne gerichtet. Das stille Einvernehmen der beiden beschwichtigt die Uneindeutigkeit der Situation zugunsten des zweckfreien Wohlgefallens. Der Anachronismus dieser zeitgerafften, intimen Momente schleust eine Irritation in die Betrachtung ein, die sich durch die flächig aufgelösten Gesichter der Figuren und scheinbar fliegenden Gegenstände – wie beispielsweise der Fächer der eleganten Dame – verstärkt. In diesem gespenstischen Schwebezustand gelingt es den scheinbar dem Fin de siècle entschwundenen Figuren, die Zeitgrenzen von Vergangenheit und Gegenwart zu transzendieren und eine paranormale Unsicherheit zu stiften.

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Ausstellungen (Auswahl)

2008

»Whose beginning is not, nor end cannot be«, Irish Museum of Modern Art, Dublin (E)
»Wo über dem Grün ein rotes Netz liegt«, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (E)

2007

»Brief Oder Neuigkeiten«, Produzentengalerie, Hamburg (E)
»The World as a Stage«, Tate Modern, London (G)

2006

Kunsthalle Zürich (E)
»INSERT 1«, Kunstverein Hamburg (G)

2005

»Fuenf sind´s doch immer schon im ersten Spiel«, Trottoir, Hamburg (E)
»Don´t accept manana«, Kunstverein Braunschweig (G)
»I still believe in miracles«, ARC Museé D´Art Moderne de la ville de Paris (G)

2004 »Nobody, Der Graue Zylinder«, Meerrettich Pavillon, Berlin (G)
»Deutschland sucht«, Kölnischer Kunstverein (G)