HALLE FÜR KUNST LÜNEBURG eV
JAHRESGABEN
2011
2010
2009
2008

SOFIE THORSEN

 

»Fassade«, 2008
Durchschlagpapier auf Papier
42 x 29,7 cm
Auflage 5
€ 380

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Sofie Thorsen ergründet mittels Diareihen, Filmen, Installationen, Wandbildern und Zeichnungen heterogene Architekturen, Landschaften und Lebensräume, deren Physiognomien die Geschichte eines Ortes und seiner Bewohner widerspiegeln. Ihre Arbeiten werden durch Schrift- und Audiotexte ergänzt, die orts- und raumbezogene Informationen zur Verfügung stellen. Die Dänin abstrahiert ihre Beobachtungen in modellhaften Zeichnungen und Interventionen, die die Grenzen zwischen öffentlicher und privater Sphäre, zwischen Eigentum und gesell-schaftlichem Kapital als auch Begrifflichkeiten wie Heimat und Fremde symbolisch verschieben. Der verfremdete Blick auf das Gewohnte erkennt die materiellen und atmosphärischen Besonderheiten weltweiter Regionen als Phänotypen globaler Effekte aus Vergangenheit und Gegenwart. Durch strukturelle Veränderungen der sozialen und geografischen Topografie verwandeln sich Größe, Aussehen und Materialität räumlicher Oberflächen zusehens. Das komplexe, tektonische Gefüge aus physischen und psychischen Bewegungen, das für Sofie Thorsen allen Lebensräumen zugrunde liegt, produziert identitäre Nachbeben, die alles Maßgenaue und Faktische bauplanerischer Unternehmungen erschüttern.

Die Jahresgabe »Fassade« entstand in Verbindung mit ihrer Einzelausstellung »Wandmalerei« im Jahr 2007 in der Halle für Kunst, Lüneburg. Die Beschäftigung mit Lüneburgs Stadtgeschichte und ihrer signifikanten Backsteingotik mündete in eine Analyse der Fassade, ihrer Technik und Funktion. Lüneburgs Gemäuer sind vielfach mit Backsteinornament übermalt worden, um die Oberfläche der identitätsbildenden Backsteingotik nachzuahmen und die wohlhabende, florierende Salzstadt ästhetisch zu konservieren. Der europäischen Stadt Lüneburg stellte Sofie Thorsen die Entwicklung und Bemalung der japanischen Millionenmetropole Tokio gegenüber, die das Temporäre und einen ununterbrochenen Fortschritt repräsentiert. Tokio wurde 1923 von einem verheerenden Erdbeben getroffen. Im Zuge des Wiederaufbaus schlossen sich Künstler der japanischen Avantgarde zusammen, um die Fassaden der temporären Bauten großformatig zu bemalen und so zu Neuerrichtung der Stadt beizutragen. Sofie Thorsens Jahresgabe zeigt die Umrisse einer solchen Fassadenmalerei, wie sie aus einer fotografischen Dokumentation entnommen werden konnte. Denn im Gegensatz zu den Lüneburger Fassaden waren die japanischen Fassadendekorationen nach nur wenigen Jahren wieder verschwunden.

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Ausstellungen (Auswahl)

2008

»Overdragelse, Overgaden«. Institut for Samtidskunst, Kopenhagen (G)
»Zero Gravity – The architecture of social space«, Center for contemporary art, Plovdiv (G)

2007

»Sofie Thorsen - Wandmalere«i, Halle für Kunst, Lüneburg (E)

2006

»Kolonialismus ohne Kolonien? Beziehungen zwischen Tourismus, Neokolonialismus und Migration. Zweites und Drittes Kapitel«, Shedhalle, Zürich (G)

2005

»162 von 172 Häusern stehen an der Hauptstraße…«, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (E)
»GU.Sicht - Graz Umgebung– Produktion einer Rurbanen Landschaft«, Grazer Kunstverein, A
»Festival der Regionen«, Oberösterreich, A (Katalog / publication)

2004 »Shrinking Cities«, KunstWerke, Berlin (G)