HALLE FÜR KUNST LÜNEBURG eV
JAHRESGABEN
2009
2008

SIMON WACHSMUTH

 

»Papier, um 2006 (Vietnam); Papier, um 2003 (Converse); Papier, um 1996; Papier, um 1960; Papier, um 2001; Papier, um 1970; Papier, um 1980; Papier, um 1950«, (alle 2008)
Rahmen bespannt mit grauem Filzloden, Papier, Stecknadeln, Holzrahmen/Glas
35 x 30 cm (mit Rahmen ca. 45 x 40 cm)
8 Unikate
je € 650 (gerahmt)

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Die Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Simon Wachsmuth (*1964, Hamburg) reflektieren historische Diskontinuitäten, wissenschaftliche Diskurse, soziale Praxen und die Frage nach dem Medialen in Verbindung mit Strategien aus der Kunst- und Kulturgeschichte. Das Material und die Informationen für seine künstlerische Auseinandersetzung bezieht er aus selbstständig angelegten Sammlungen und antiquarisch erworbenen Archiven. Seinem recherchebasierten Ansatz liegt ein interdisziplinäres Denken zugrunde, dass die Erscheinung und den Zustand der jeweiligen Forschungsgegenstände genauestens seziert und auf vordergründig arglose Naturalisierungen abklopft. Die Differenz zwischen dem Virtuellen und dem Realen, zwischen Kultur und Natur weist auf die Existenz einer hybriden Zone, in der seine Zeichnungen, Animationen, Bilderserien und Installationen verankert sind. Diese zeichnen sich in der Regel durch ein reduziertes Formenvokabular aus, das durch seine sedimentierten Strukturen eine Offenheit zulässt, die dem Betrachter die Möglichkeit einräumt, die Assoziationen und Verbindungslinien selbst zu moderieren.

Die Erfahrung von Abwesenheit und Leere als Effekt eines instabilen, dennoch produktiven Deutungsprozesses manifestiert sich in Simon Wachsmuths Jahresgabe mit Unikatcharakter, die er an den Bilderatlas »Mnemosyne« von Aby Warburg angelehnt hat. Die vierteilige Serie besteht aus gesammelten Papierblättern, z. T. Mitbringsel des Künstlers aus diversen Ländern, die mithilfe von Stecknadeln auf schwarze Tafeln gepinnt wurden. Der Künstler sammelt seit zwanzig Jahren Papierblätter aus unterschiedlichen Zeiten und Zusammenhängen. Das Fehlen jeglicher Information auf den Trägern sticht sofort ins Auge – eine Gemeinsamkeit der Papierstücke, deren abweichende Materialität von ihrem unterschiedlichen Alter, ihrer Herkunft und Fertigung zeugt. Verpackungspapier aus Asien wie in »Papier, um 2006 (Vietnam)«, Turnschuhpapier wie in »Papier, um 2003 (Converse)« und bereits lange gelagerte Blätter ohne geografischen Ursprung wie »Papier, um 1996« sind einem ästhetischen Ordnungsprinzip unterzogen worden, dem die konsequente Abwesenheit eines Kontextes zugrunde liegt. Die gewohnheitsorientierte Rezeption wird unterbrochen und der Betrachter fungiert als Teilnehmer eines Experiments. Sein Begehren nach Konkretion bleibt ungestillt, vielmehr fordern die weißen Flächen ihrerseits subjektive Projektionen heraus. Diese gegenseitige Weigerung verfängt sich in den Unschärfen geometrischer Abstraktion, in denen der Zufall und seine potentielle Bedeutungen schon immer als Fehleinschätzungen mitberechnet wurden.

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Ausstellungen (Auswahl)

2008

»Demonstration IV«, Galerie Cora Hölzl, Düsseldorf (E)
»OPEN SKY«, Kunstverein Medienturm, Graz (G)
»Top of Experience oder die Kunst der Erlebniswelt«, Kunstpanorama-Kunsthalle Luzern (G)
»DISKURS IM GRÜNEN«, Kunstverein Springhornhof, Neuenkirchen (G)
»Die Liebe zu den Objekten«, NÖ Landesmuseum, St. Pölten (G)

2007

»documenta 12«, documenta, Kassel (G)
»Balance! Kunst in Heiligendamm«, Öffentlicher Raum Deutschland (G)
»A Way of Considering Two Things Together«, The Physics Room, Christchurch, Neuseeland (E)

2006

»LIMINAL SPACES«, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (G)
»GEGENSTÄNDE/ HANDLUNGSFORMEN«, Badischer Kunstverein, Karlsruhe (G)
»Interpretationsresistenz«, Projektraum/Kunstraum Innsbruck (G)
»Soleil Noir«, Kunstverein Salzburg (G)
»The things that I have seen, I now can see no more«, Kunstraum Dornbirn (E)
»Ein gemeinsamer Ort«, Lentos Kunstmuseum, Linz (G)
»Jutta Strohmaier, Simon Wachsmuth«, Galerie Hohenlohe, Wien (E)

2005

»Die Postmediale Kondition«, Neue Galerie, Graz (G)
»KRITISCHE GESELLSCHAFTEN IV«, Badischer Kunstverein, Karlsruhe (G)
»Simon Wachsmuth: Of Dots & Ducks«, Galerie Cora Hölzl, Düsseldorf (E)
»Video viennoises«, Betonsalon Paris (G)
»Demonstration«, Galerie Stadtpark, Krems (E)
»for some reasons«, MAERZ, Linz (G)
»Be what you want and stay what you are«, Witte de With, Rotterdam (G)
»KRITISCHE GESELLSCHAFTEN«, Badischer Kunstverein, Karlsruhe (G)

2004 »How do we want to be governed?« Miami Art Central (G)
»Handlungen, die Handlungen setzen«, Kunstraum der Universität Lüneburg (G)