Veranstaltung

Videolounge: «Die Krumme Pranke»

von Alice Creischer, Andreas Siekmann, Josef Strau und Amelie Wulffen. Berlin 1997
Der Film ist erhältlich für 39 DM bei b-books, Berlin und bei Galerie Nagel, Köln

Der neue 30-minütige Film ‚Die Krumme Pranke‘, der KünstlerInnen Alice Creischer, Andreas Siekmann, Josef Strau und Amelie Wulffen, läßt seine BetrachterInnen öfters rätseln: Ist es ein Großstadtkrimi? – Experimentalkino? – Innenstadtpolitik im bunten Knetmantel? Zäh und toffifee-braun wie die Baugruben Berlins? – Ein Anti-Ambient Statement? Oder ist es gar verhaltene Kritik an der Ohnmacht der eigenen aktivistischen Szene?
Die Dramaturgie folgt dem Strickmuster eines klassischen Derrick Krimis: Auf die Präsentation der Opfer, folgt die Aufklärung. Harry sammelt die Informationen, Derrick verwertet sie. Sie bieten den roten Faden, um die BetrachterInnen von den vielen Nebenverweisen nicht ganz zu verwirren. Die Bildsprache wechselt zwischen Realaufnahmen und Knetgummianimationen.
Die Struktur des Films, sowie manche Textpassagen stehen unter dem Einfluß von Peter Weiss und Harun Farocki. So zum Beispiel die Wechsel von Dokumentar- zu fiktiver Bild- und Sprachebene. Das Montageprinzip durchzieht den ganzen Film. Die Benutzung dieser Strategie der unklaren Abgrenzung birgt immense künstlerische Freiheiten des Ausdrucks. – Wort und Bild kommentieren sich gegenseitig und Ambiguitäten können offen ausgespielt werden.
Manche Textpassagen sind aus dem Roman von Peter Weiss ‚Ästhetik des Widerstands‘ entlehnt. Der Zwiespalt zwischen Kunstpraxis und Politik in der sich die Protagonisten befinden, läßt sich auf die eigene methodische Krise übertragen, irgendwo zwischen Idealismus und operativer Ästhetik – oder anders formuliert: kann herrschaftliche Kultur von links überhaupt angeeignet werden?

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