Veranstaltung

Symposium: «Tatort Kunstverein»


Hildegund Amanshauser, Salzburger Kunstverein (A), Christoph Behnke, Universität Lüneburg (D), Wulf Herzogenrath, Kunsthalle Bremen (D), Vera Kockot, Albrecht Dürer-Gesellschaft Nürnberg (D), Christian Nagel, Galerist (D), Stefan Römer, Künstler (D), Nicolaus Schafhausen, Kunstverein Frankfurt (D), Barbara Steiner, damals Wolfsburger Kunstverein (D), Stephan Schmidt-Wulffen, damals Kunstverein Hamburg (D).
10./11. September 1999
Ein zweitägiges Symposium in Lüneburg über die Positionierung von Kunstvereinen am Ende der 90er Jahre.

Das Feld der Kunstvereine ist seit Ende der 90er Jahre in Bewegung geraten. Durch die Neubesetzung einer Reihe von DirektorInnen-posten gerieten die Kunstvereine wieder in das Blickfeld der aktuellen Kunstszene. Der damit verbundene Generationswechsel zieht eine Programmstruktur nach sich, die sich vermehrt mit Fragen der Ausstellungspolitik, der Verortung gegenwärtiger Diskurse und mit einer Kunst befasst, die den sozialen und gesellschaftlichen Kontext mit einbezieht.

Unter der Fragestellung ‚Wo stehen die Kunstvereine heute und welche Relevanz haben sie (noch) im kulturellen Feld?‘ sollten vorhandene Positionen und Strukturen analysiert werden. Dabei zeigte sich, dass angesichts der veränderten gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen eine Repositionierung des Vermittlungsmodells ‚Kunstverein‘ im zeitgenössischen Kunstbetrieb erforderlich ist. Heute stehen die ca. 200 Kunstvereine wie nie zuvor in einem Wettbewerb mit den gegenwartsbezogenen Programmen von Museen, Kunsthallen, Biennalen und Ausstellungsevents freier Kuratoren.

Darüber hinaus trifft die Tendenz der fortschreitenden Ökonomisierung des Kunstbetriebs die Kunstvereine empfindlich auf der Ebene der öffentlichen Förderung, die sich zunehmend an Rentabilitätsgesichtspunkten orientiert. Damit einher geht der Trend zur reinen Projektförderung anstelle bisheriger institutioneller Fördermodelle. Gleichzeitig sind die Kunstvereine von Veränderungen der Mitgliederstruktur betroffen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen und unter diesen Gegebenheiten stellt sich die Frage, wie Kunstvereine weiterhin ihrem Vermittlungsauftrag gerecht werden können, zumal der auch das Zeigen ungesicherter Positionen beinhaltet.

Von der jungen Generation der KunstvereinsleiterInnen werden diese Fragen aufgegriffen und die spezifischen Funktionen der Kunstvereine im Kunstfeld neu verortet. Sie wollen „weg von der musealen Arbeitsweise und die gegenwärtige gesellschafts- und kulturpolitische Umbruchsituation in ihrem Tempo so wahrnehmen, wie sie ist“ (Schafhausen) und den KünstlerInnen „Produktionen ermöglichen, die sonst nicht realisiert werden könnten“ (Amanshauser). Ausstellungen werden so zu Konzepten, Denkräumen oder thematischen Verdichtungen.

Ein allgemeingültiges Patentrezept für eine Neudefinition des Modells ‚Kunstverein‘ gibt es nicht. Bezogen auf die jeweilige Situation lassen sich jedoch Lösungsansätze herausfiltern, die den Kunstverein zu einer Einrichtung werden lassen, die dem Publikum Informationen und Vermittlungskanäle anbietet und somit über ein reines Ausstellungsprogramm hinausgeht. Einhergehend mit einem Überdenken traditioneller Präsentationsformen sollte auch vor radikalen Überlegungen nicht zurückgeschreckt werden, wie etwa dem Vorschlag, die zumeist sehr teuren Räume aufzugeben und stattdessen mediale Räume zu nutzen oder den Kunstverein als ‚Agentur‘ zu betrachten und ihm damit neue Handlungsmöglichkeiten zu öffnen (Sefkow).

Bernd Milla / Heike Munder

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