Veranstaltung

Elodie Pong (CH) – Contemporary Tales a certain general


Eröffnung: 23. September 2004, 19h
Ort: Halle für Kunst, Reichenbachstr. 2, D – 21335 Lüneburg

Ein roter Teppich, der auf eine Straße hinführt; junge Menschen, die alltäglichen Handlungen nachgehen; Dialoge in Form von SMS, die über die Bildfläche ziehen. Hier werden gegenwärtige Erzählungen präsentiert, die scheinbar in keinem Zusammenhang stehen und doch eine ähnliche Stimmung verbreiten.

Halle für Kunst zeigt mit Contemporary tales die erste Einzelausstellung der Schweizer Künstlerin Elodie Pong (*1966) in Deutschland. Für die Ausstellung in Lüneburg hat die Gewinnerin des SWISS AWARD 2003 beim Internationalen Film- und Videofestival VIPER in Basel drei neue Videoarbeiten konzipiert. Diese Videos sind Fortführungen von Gedanken und Ansätzen, die sie in vorherigen Arbeiten begonnen hat.

Zu ihren wichtigsten Themen zählen das inhaltliche Ausleuchten des Begriffs von Intimität, die Verwendung des Körpers als Ausdrucksmittel, die visuelle Inszenierung um den Körper zur Identitätsfindung und das Festhalten von subtilen zwischenmenschlichen Gefühlen.

Als gemeinsames Element einer vorherigen Serie von Videos (“A Certain general“), die Pong von Freunden und Bekannten gemacht hatte, diente ein roter Teppich, auf dem die jeweiligen Personen Handlungen ausführten, auf die sie gerade Lust hatten. In der Lüneburger Ausstellung taucht der rote Teppich wieder auf und weist den Weg zur nächsten Videoarbeit, die diesem Pfad folgt. „Set“ ist ein mit einem elektronischen Beat der Band Velma unterlegter Loop von 15 Sekunden, der die Fahrt auf einer Straße zeigt, die in einem plötzlich auftauchenden weißen Quadrat verschwindet. Die Handlung ist nicht mehr von einer Person bestimmt. Vielmehr wird ein isolierter Mechanismus abgebildet, der die Handlungen zuvor begleitet hat. Die Erzählungen tauchen auf, verschwinden im Nichts und beginnen von vorne.

„Script“ dokumentiert die Dialoge von Elodie Pong mit Freunden, die sie von Ende Juli bis Ende August diesen Jahres per SMS geführt hat. Damit thematisiert die Künstlerin eine Form der Verständigung über ein Medium, das wesentlicher Bestandteil der heutigen Kommunikationsgesellschaft ist. Ob Fiktion oder Realität, der Betrachter erhält Einblick in die Kommunikation und Denkmuster einer Person, die er für die Künstlerin hält. Der voyeuristische Blick wird nicht mit körperlicher sondern mit geistiger Nacktheit herausgefordert.

Ebenso fokussiert die Videoarbeit „Characters“ auf den wissbegierigen Blick des Betrachters. Pong filmt verschiedene Personen, die alltäglichen Handlungen nachgehen. Nicht eine kontinuierliche Erzählhandlung steht dabei im Vordergrund, sondern Erzählungen, die allgemein bekannt sind, bilden die gemeinsame Klammer. Wiederum spielt Pong mit der Fiktion bekannter Handlungen, die bestimmten Personen zugeschrieben werden, die aber so allgemein gehalten werden, dass sie von jeder Person gespielt werden können. Hinterlegt ist das ca. fünfminütige Video mit Musik von Trans Am.

Contemporary tales bildet einen Fluß von Gefühlen, die Ausdruck einer Generation sind. Pongs Videos schildern Momente, in denen Beiläufiges besonders und Besonderes beiläufig erscheint. Doch gerade durch die scheinbare Austauschbarkeit der Handlungen und Dialoge ergibt sich der spezifische Ausdruck der Künstlerin.

Im Rahmen der Ausstellung wird am 24. September um 19h Elodie Pongs Film „Secrets for Sale“ (2002) gezeigt, der kürzlich bereits bei ARTE zu sehen war.

In dem über den Zeitraum von drei Jahren erarbeiteten und über verschiedene mediale Ebenen geführten Projekt „ADN/ARN Any Deal Now/Any Reality Now“, sammelte Pong weit über 300 Geheimnisse, die sie gegen ein individuell ausgehandeltes Entgelt den jeweiligen Eigentümern abkaufte. Im gesamten Verhandlungs- und Aufnahmeprozess blieb die Künstlerin auf Distanz zum Spektakulären. Der daraus resultierende Film „Secrets for Sale“, der sowohl die Spielregeln als auch die zahlreichen, ausgewählten Umsetzungen wiedergibt, behält seine unprätentiöse, visuelle Sprache bei und rührt bei jedem Betrachter an Empfindungen eines „Zuviel“, „Noch nicht genug“ oder einem Verlangen nach „Mehr“. Wir sehen uns mit der eigenen Lust auf Spektakel und auf voyeuristisches Wahrnehmen konfrontiert und müssen selbst über den Umgang des Empfundenen entscheiden. Mit „Secrets for Sale“ legt die Künstlerin den Finger auf jenes zeitgenössische gesellschaftliche Phänomen, das Menschen in zahlreichen Live-TV-Shows dazu bringt, Privatangelegenheiten und Intimes vor einer anonymen Öffentlichkeit auszubreiten.

Gefördert durch das Land Niedersachen, die Stadt Lüneburg, den Lüneburgischen Landschaftsverband und Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung.

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