Veranstaltung

«Wiederdenken/Träumen über Überbevölkerung in Lüneburg» – Vortrag von Róza El-Hassan

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„I am overpopulation“ (Ich bin Überbevoelkerung)
steht auf einem T-Shirt geschrieben. Erklären wir uns beim Tragen dieses Slogans mit den Gruppen solidarisch, die für die weltweite Überbevölkerung verantwortlich gemacht werden? Oder bekennen wir uns offen dazu, Teil des Problems zu sein?

Die Hauptfigur der von der ungarisch-syrischen Künstlerin Róza El-Hassan seit 2004 in mehreren Phasen entstehenden Multimedia-Arbeit „R. Thinking/Dreaming about Over-Population“, ist eine grobgeschnitzte Holzskulptur einer zusammengekrümmt sitzenden Frau, die einen orangefarbenen Ballon hält und in ein schwarzes Tuch gehüllt ist, das an eine Burka erinnert. Diese starke Metapher spiegelt eine Quelle politischer und sozialer Spannung wider, sowie ihre Suche nach einer Verbindung zu den arabisch-muslimischen Kulturen und ihren eigenen Wurzeln. Ihre politisch engagierten und oft provokanten Werke im öffentlichen Raum („The Blood Donation Performance: Belgrade, Budapest, Zurich“, 2001–2003) und die integrativen Arbeiten wie „R. Thinking/Dreaming about Over-Population“ stellen Grenzen infrage, indem sie durch das Vorschlagen und Nutzen verschiedener Aktivismusstrategien neue Formen und Praktiken des politischen und sozialen Engagements mittels Kunst erproben.

Als der palästinensische Präsident Yassir Arafat kurz nach den Attentaten vom 11. September 2001 Blut für die amerikanischen Opfer spendete, brachte diese mediengerecht inszenierte und politisch motivierte Tat Róza El-Hassan auf die Idee, sie könnte doch für das serbische Volk Blut spenden. Ursprung dieser Aktion war das Aufkommen kollektiver Schuldgefühle in der arabischen-muslimischen Welt in Folge der New Yorker Ereignisse: Mit welchem Image einer Araberin sollte die Künstlerin sich jetzt identifizieren? Es geht in diesem performativem Vortrag um Konflikte und ihre möglichen Lösungen. Die Performance wird unter Beteiligung Lüneburger Bürger stattfinden, die vielstimmig unterschiedliche Meinungen und Statements zu ihren Arbeiten reklamieren werden.

Róza El-Hassan, geboren 1966 in Budapest, besuchte die Akademie in Budapest, die Städel Kunsthochschule in Frankfurt und die Intermedia Medienfakultät an der Kunstakademie in Budapest. Die Künstlerin mit syrischen Wurzeln arbeitet mit Zeichnung, Skulptur, Video und Performance. Bekannt wurde sie unter anderem mit der Installation „Secured Space“. Stangen mit Haltegriffen, wie sie in öffentlichen Verkehrsmitteln üblich sind, wurden in einer Galerie zwischen die Wände geschraubt und erzeugten so einen paradoxen Raum. In der Serie „Strechted Objects“ hat Róza El-Hassan verschiedene Gegenstände mit horizontal gespannten Seilen auf ungewöhnliche Art und Weise an einer Wand befestigt. Róza El-Hassan repräsentierte 1997 Ungarn an der Biennale in Venedig und in 2006 richtete ihr das Museum Mücsarnok/Palace of Art, in Budapest eine Retrospektive aus.

www.roza-el-hassan.hu

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