Veranstaltung

MASS OBSERVATION – GESPRÄCH ZWISCHEN NINA KÖNNEMANN UND KATHA SCHULTE

Humphrey Spender Amusement Park1937 rief in England die Gruppe Mass-Observation zur Gründung einer »science of ourselves« auf, einer Wissenschaft von, für und über die »normalen Leute«, einer Sozialwissenschaft von unten, basierend auf Verfahren der Beobachtung. Der Aufruf »an alle« – unter der Federführung einiger Surrealisten, Ornithologen und Dokumentarfilmer in einer Tageszeitung publiziert – sorgte für großen Zulauf, und Mass-Observation war eine Weile der »talk of the nation«. Der Aufruf bewirkte umgehend eine Flut an gerichteter und ungerichteter Datenerhebung und drohte in letzter Instanz mit einer tiefgreifenden Aushebelung der Zuständigkeiten im Wissenschaftsbetrieb: Wenn jeder Mensch Wissenschaftler/in sein kann, wird die akademische Kaste arbeitslos; wenn alle Telefone Smartphones sind, gibt es keine Smartphones mehr.
 Ein besonderes Augenmerk von Mass-Observation lag auf der Erforschung von Arbeit und Freizeitverhalten. Daher hatte die Gruppe einen Forschungsschwerpunkt in dem Arbeitererholungsort Blackpool an der britischen Westküste, der auch in einige Videoarbeiten der Künstlerin Nina Koennemann Eingang gefunden hat.
 Mittels Bildern und Texten von und über Mass-Observation stellen Nina Könnemann und die Autorin Katha Schulte die in Deutschland noch immer wenig bekannte Bewegung vor, deren radikal demokratischer Ansatz dazu einlädt, über Selbstermächtigung, Massenkultur und alternative Begriffe von Öffentlichkeit nachzudenken.

Arbeiten von Nina Könnemann (*1971, lebt in Berlin) wurden u.a. präsentiert im House of Gaga, Mexico City (2012), bei Mathew, Berlin (2012), im Haus der Kunst, München (2011), bei Air de Paris/Castillo Corrales, Paris (2011), im Museum of Modern Art, New York (2010), im Nürnberger Kunstverein (2010), im Künstlerhaus Stuttgart (2010), in der Galerie Karin Günther, Hamburg (2009), in der Gallery TPW, Toronto (2008), im Portikus, Frankfurt am Main (2009), im Grazer Kunstverein (2007), in der Galerie Daniel Buchholz, Berlin (2006), sowie im Kunstverein Hamburg (2002). 2010 kuratierte sie die Ausstellung »Mass Photograph, Blackpool Through the Camera« in der Grundy Art Gallery, Blackpool.

Katha Schulte (*1967, lebt in Hamburg) ist als Autorin und freie Lektorin tätig. Sie schreibt über Kunst und übersetzt aus dem Italienischen. 2010 erschien ihr Roman »Unwesen« im Hablizel Verlag.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der  Ausstellung von Nina Könnemann »Blackpool Illumination 1995-2005« in der Halle für Kunst statt (15. Dezember 2012 bis 30. Januar 2013).

Großzügig gefördert durch das Land Niedersachsen, den Lüneburgischen Landschaftsverband und die Hansestadt Lüneburg.

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