Ausstellung

Wagnis der Öffentlichkeit

Mit Arbeiten von Juliette Blightman, Barbara Bloom, Sofia Duchovny, Jana Euler, Bernadette Van-Huy und Annette Wehrmann

AUSSTELLUNG VORÜBERGEHEND GESCHLOSSEN

Gemäß der aktuellen Verordnung zur Eindämmung des Corona-Virus (COVID-19) bleibt die Halle für Kunst bis zum 30. November 2020 geschlossen.
Der angekündigte Kinderclub findet online statt, die Führung muss aufgrund der Schließung leider entfallen. Die Dokumentation der aktuellen Ausstellung »Wagnis der Öffentlichkeit« finden Sie in Kürze auf unserer Website und unseren Social Media-Kanälen.

Bernadette Van-Huy, Do Not Disturb, 2018

Die Gruppenausstellung »Wagnis der Öffentlichkeit« stellt die gedankliche Fortführung der Ausstellung »Vom Handeln« dar, die 2018 in der Halle für Kunst gezeigt wurde. Anliegen war damals, vor dem Hintergrund einer in zeitgenössischen künstlerischen Praktiken zu beobachtenden »Neuen Innerlichkeit« bzw. »Neuen Subjektivität« das Motiv des »Handelns« in den Fokus zu rücken. »Handeln« jedoch nicht verstanden als »Praxis«, sondern im Sinne von Hannah Arendts Überlegungen zur »Vita activa oder Vom tätigen Leben«, welches sich in einem Weltbezug, das heißt in einem Interesse für bzw. einem Sorgen um die Welt ereignet.

Bedingung eines jeden politischen Handels ist es jedoch, so Arendt, die eigene Person im Tun zu exponieren, das heißt sich öffentlich zu setzen. Denn nur wer »sein Leben und seine Person mit in das Wagnis der Öffentlichkeit nimmt, kann sie erreichen«. Dieses Wagnis, von dem Hannah Arendt spricht und das als Überlegung und Begrifflichkeit auf ihren Lehrer Karl Jaspers zurückzuführen ist, gilt aber nicht nur für politisches Handeln, sondern für jegliche Form des öffentlich Werdens und damit auch für künstlerische Praxis. Ist doch das Machen, vor allem aber das Zeigen von Kunst, mit einem Einsatz des Persönlichen im Öffentlichen verbunden und stellt damit ein Wagnis dar. Ist eben nicht nur Streben, das, was man geschaffen hat, auch sichtbar zu machen, sondern geht mit einer Preisgabe undVerletzlichkeiteinher.

Diese Überlegungen bilden nun wiederum den Ausgangspunkt der aktuellen Ausstellung. Denn der Aspekt, dass es das Persönliche zu wagen gilt, möchte man den anderen erreichen, ist angesichts des sich aktuell in der zeitgenössischen Kunst abzeichnenden Revivals subjektiver und »authentischer« Motive hochinteressant und stellt, wenn man so will, den reflexiven Beitrag dar, den die Ausstellung leisten möchte. Markiert doch das Exponieren der eigenen Person in der künstlerischen Arbeit zugleich auch jenen schmalen Grad, mit dem stets die Gefahr einer rein subjektiven, im verheerendsten Falle identitär-regressiven Nabelschau einhergeht. Auf der anderen Seite lässt sich im Zuge einer »Neuen Authentizität« aber auch ein Gros an künstlerischen Arbeiten ausmachen, die das Subjektive quasi als Stil vor sich hertragen und damit, wenn auch auf ganz andere Weise, ebenfalls den Einsatz des Persönlichen – hier als entleerte Geste – in Verruch gebracht haben. Sich nun aber folglich ganz vom Persönlichen zu verabschieden scheint wiederum auch zu kurz gegriffen. 

Es ist also eine äußerst komplexe Sache.Die damit verbundene Spannung, das komplizierte Verhältnis, welches möglicherweise gar einen Wiederspruch in sich darstellt,sowie die Frage, wie vor diesem Hintergrund ein persönliches Involviertsein aussehen könnte, sind es, die mit der Ausstellung in den Blick genommen werden. Nicht zuletzt ist aber auch jener Faden von Interesse, der sich von da aus weiterspinnen ließe. Denn wenn das persönliche Verwobensein die Voraussetzung des Den-anderen-Erreichens ist, ist damit eben auch eine jener Bedingungen benannt, die die Grundlage von Gemeinschaft bildet.

Das Jahresprogramm der Halle für Kunst wird großzügig gefördert durch das Land Niedersachsen, den Lüneburgischen Landschaftsverband, die Sparkassenstiftung Lüneburg und die Hansestadt Lüneburg. Das Vermittlungsangebot der Ausstellung wird ermöglicht durch das Land Niedersachsen und die VGH-Stiftung.

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