Ausstellung

Michel Auder (USA)

Einzelausstellung mit Katalog

Die Video-Installation ‚Five Ring Circus‘ (1997) von Michel Auder ist Ausdruck einer mittlerweile seit über dreißig Jahren andauernden Obsession, das eigene Umfeld in bewegten Bildern festzuhalten. Auf fünf Monitoren laufen zeitgleich fünf 54minütige Videos, nonstop Collagen aus Auders mehrere tausend Stunden umfassenden Pool an Aufzeichnungen. Das Themenspektrum zeugt von einem nicht-hierarchischen Bildverständnis: TV-Bilder von Aufständen in Südafrika wechseln mit familiären Szenen, Naturaufnahmen mit Bildern New Yorker Prostituierter oder Beobachtungen vom Haus gegenüber.
Die assoziative Schnittfolge der unterschiedlichen Sequenzen produziert ein Kaleidoskop menschlicher Erfahrungswelten, dem sich der Betrachter kaum entziehen kann.

Beeinflusst von der Nouvelle Vague, Pasolini und der Happening-Bewegung positioniert sich Auder Anfang der siebziger Jahre in New York mit seinem künstlerischen Schaffen zwischen high und low culture. Ursprünglich aus Frankreich stammend, gehörte er zur Andy Warhols Factory Entourage, dessen von Glam und Ennui geprägtes Leben er mit der Kamera porträtierte. Diese intimen Eindrücke seines Umfeldes zeugen von seinem filmerischen Selbstverständnis, das weder dokumentarisch-distanziert noch gänzlich fiktiv ist und gesetzte Dichotomien nicht akzeptiert.

Die Rolle des teilnehmenden Beobachters wird auch in Auders Reisetagebüchern deutlich, so zeigen z.B. die ‚Vanatu Chronicles‘ (1998) in langen Aufnahmen seine Tour durch den gleichnamigen Südseearchipel. Indem er die Kamera auch auf sich selbst richtet und seine jeweilige Verfassung dokumentiert, nimmt er Abstand von einer wissenschaftlich- ethnografischen Darstellung. Fernab jeder gemeinhin vermittelten Exotik präsentiert sich die Fremde hier genauso banal und alltäglich wie das Bekannte.
Der Drogenkonsum mit den Einheimischen beschwört für einen kurzen Moment die Möglichkeit einer Eingliederung in die bestehende Gemeinschaft, doch letztlich bleibt Auder in der Rolle des westlichen Touristen. Der intime Blick auf das eigene Umfeld, der die Arbeiten in der New Yorker Kunstszene kennzeichnet, schlägt hier fehl und zeigt so die Unausweichlichkeit kulturell konnotierter Sichtweisen.
Anne Krause

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