Ausstellung

WHAT IF THIS WAS A PIECE OF ART?

Guillaume Bijl (BE), Wolfgang Breuer (D), Yan Duyvendak (NL), FLOSS/VHDG (NL), Graham Hudson (GB), Christian Jankowski (D), Benoît Maire (F) und Falke Pisano (NL)

Eine Kooperation mit der GAK Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen, dem Künstlerhaus Bremen und dem Kunstverein Harburger Bahnhof

Im Raum situiert sich die Kunst. Ohne ihn ist Kunst nicht denkbar. Ob zwei- oder dreidimensional angelegt – Kunst nimmt Raum ein, schafft und definiert Raum. Gleichzeitig wird sie durch den Raum bestimmt, sei er als Umfeld, Kontext oder Verortung formuliert. Um der vielfältigen Verfasstheit des Raumes in der zeitgenössischen Kunstproduktion gerecht zu werden, präsentiert das Ausstellungsprojekt Space Revised in vier Institutionen exemplarische Beispiele. Raumaneignung, Raumverlust, Raumverschiebung und sozialer Raum sind die vier Blickwinkel, aus denen heraus die Kooperation von GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, Künstlerhaus Bremen, Halle für Kunst eV und Kunstverein Harburger Bahnhof einen aktuellen Zwischenstand in der jüngsten künstlerischen Auseinandersetzung nachzeichnet. Gleichzeitig nimmt Space Revised das Thema auch konzeptuell auf, da die Verteilung auf vier Ausstellungshäuser in Norddeutschland die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit vielfältigen Raumauffassungen bietet, während Raum reisend durchquert wird.

In »Space Revised # 3. What if This Was a Piece of Art?«, dem Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt in der Halle für Kunst in Lüneburg wird Raum als Deutungsraum begriffen, als Raum, in dem sich die Qualitäten der Kunst durch eine »Atmosphäre der Theorie« entfalten können. Es wird der Versuch unternommen, den zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Marcel Duchamp eingeleiteten Prozess umzukehren: Es soll nicht untersucht werden, was geschieht, wenn ein Objekt aus dem Alltag die Schwellen der Institution überschreitet und sich in einem auratisierenden Akt in ein Objekt der Kunst verwandelt. Vielmehr wird gefragt, wie jene Sinn produzierende Kraft ins außen gestülpt werden kann und sich der an Kunstwerken erprobte, Gedanken generierende Blick in den gegenwärtigen Alltag ausdehnt. Auf diese Weise eröffnet sich ein poetisierter Raum sprechender Verhältnisse, in dem die Unterscheidung zwischen Alltagsobjekten und Kunstwerken durchlässig wird. »What if This Was a Piece of Art?« in der Halle für Kunst möchte diesen Prozess sichtbar machen und einen vorübergehenden Ausnahmezustand erzeugen, in dem die Grenzen beider Sphären nicht mehr eindeutig trennbar und, einer Logik der Gleichheit folgend, ästhetische Kriterien nicht mehr greifbar sind.

Für das Projekt wurden internationale KünstlerInnen und Theoretiker eingeladen, die in ihrer Arbeit die Grenzen zwischen dem Raum der Kunst und dem des Alltags auf unterschiedlichen Ebenen produktiv durchkreuzen und auf unterschiedlichen Abstraktions- und Reflektionsebenen anschlussfähig an Fragestellungen u. a. um die Kommodifizierung der Kunst und die ideologische Aufladung des scheinbar Alltäglichen sind. Neben der Gruppenausstellung mit Guillaume Bijl (BE), Wolfgang Breuer (D), Yan Duyvendak (NL), Graham Hudson (GB), Christian Jankowski (D), Benoît Maire (F) und Falke Pisano (NL) wurde eine Vortragsreihe mit dem Hamburger Sozialphilosophen Roger Behrens, dem Künstler, Schriftsteller, Musiker und Dozenten Thomas Kapielski sowie dem Philosophen Robert Pfaller konzipiert, die im Projekt angestoßene Fragestellungen an drei Abenden aufgreift. Darüber hinaus wird die niederländische Gruppe VHDG (Stichting Voorheen De Gemeente) einen moderierten FLOSS-Abend zum Thema im Theater Lüneburg veranstalten und Yan Duyvendak (NL) die mit seinem Ausstellungsbeitrag korrespondierende Performance »Side Effects« aufführen. Das SCALA Programmkino zeigt den Film »Wie man ruhig wird« von Hans-Christian Lotz und Loretta Fahrenholz, der des Bild einer jungen Künstlergeneration zeichnet, deren politisches und soziales Interesse in Konflikt mit ihrer Selbstreflexion innerhalb des Kunstkontextes steht.

Eine umfangreiche Katalogpublikation fasst im Anschluss die Präsentationen aller beteiligten Häuser zusammen

Veranstaltungen:
Montag, 18. Mai, 19.30 h: Vorführung des Films »Wie man ruhig wird« (2008) von Loretta Fahrenholz und Hans-Christian Lotz mit einem anschließenden Gespräch moderiert von Tobias Kaspar im SCALA Programmkino

Donnerstag, 28. Mai, 19 h: Der Philosoph Robert Pfaller spricht über »Interpassivität«, Kuratoren und andere interpassive Kunstelemente

Donnerstag, 11. Juni, 19 h: »Niederlausitz. Über die lausigen Niedrigkeiten in der Kunst«, Vortrag von Thomas Kapielski

Sonntag, 21. Juni, 19 h: FLOSS – Künstlershow in Zusammenarbeit mit der niederländischen Kunstinitiative Stichting VHDG in der Studiobühne des Theater Lüneburg

Donnerstag, 25. Juni, 19 h: »Die Poetisierung des Alltäglichen, die Ästhetisierung der Politik und die Kommodifizierung der Kunst«, Vortrag des Hamburger Sozialphilosophen Roger Behrens

Donnerstag, 2. Juli 2009, 19 h: »Side Effects«, Performance von Yan Duyvendak, konzipiert von Nicole Borgeat und Yan Duyvendak

Space Revised #1 – #4:

#1 Friendly Takeovers. Strategien der Raumaneignung, 17. Mai – 9. August
GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen
Cezary Bodzianowski, Bob Braine & Leslie C. Reed, Trisha Brown, Christian Haake, Guillaume Leblon, Daniel Maier-Reimer, Katrin Mayer, Rosalind Nashashibi, Peles Empire

#2 Verbleib unbekannt, 17. Mai – 16. August
Künstlerhaus Bremen
Bob Braine & Leslie C. Reed, Elín Hansdóttir, Erik Olofsen, Guido van der Werve, John Wood & Paul Harrison

#4 Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft, 16. Mai – 12. Juli
Kunstverein Harburger Bahnhof
»Reihe:Ordnung sagt – Zukunft« mit Kai Schiemenz

Herzlichen Dank an: Bundeskulturstiftung, Land Niedersachen, Senator für Kultur Bremen, Bremen Marketing GmbH, Generalkonsulat der Niederlande in Hamburg, Lüneburgischer Landschaftsverband, Stiftung der Sparkasse zur Förderung der Kunst, Stadt Lüneburg, Theater Lüneburg, SCALA Programmkino

 

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