Veranstaltung

Konzert von Rosa Rendl


Veranstaltung

Sketch I Mit Musikperformances von Enver Hadzijaj, Rosa Rendl und Steven Warwick


Ausstellung

Daphne Ahlers – Die Langstreckensängerin

 

Vielleicht könnte man Daphne Ahlers’ Arbeiten zuallererst als etwas beschreiben, das einen Bezug zum Körper aufweist. Da gibt es Abdrücke von Gesichtern, Formen weiblicher Geschlechtsteile oder auch Gebilde, die an Gliedmaßen oder Körperflüssigkeiten erinnern. Der Bezug zum Körper ist zum Teil aber auch eher subtil und verdankt sich den verwendeten Materialien wie Latex, Silikonwatte, Nylon oder Soft Shell. Bei Ahlers ist der Körper jedoch meist kein Ganzer, sondern bleibt Fragment. Er wird nicht als Handelnder aufgerufen; auch nicht als Erfahrungsraum, der sich jenseits des sprachlich Fassbaren verortet, im Sinne von mystischem oder magischem Erleben; und eben auch nicht als etwas, das im Geleit posthumanistischer oder postidentitärer Ideen erweitert oder verändert wird. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass der Körper in den letzten Jahren gerade aufgrund dieser Aspekte und Potentiale ein ziemliches Revival erfahren hat und in zeitgenössischen künstlerischen wie theoretischen Diskursen überaus präsent ist.

Auch wenn Ahlers Arbeiten kein Spektakel des weiblichen Körpers feiern, so ist ihr Hintergrund dennoch ein feministischer. Und dies nicht nur, da in ihnen Themen wie das Verbot des Facesittings in Großbritannien, die jahrhundertelange Hexenverfolgung oder neue potentielle Verhütungsmittel für Männer aufgerufen werden, sondern auch, da sie von einer grundlegenden Bodypositivity durchzogen sind, die durchaus genderübergreifend ist. Diese Bejahung des Körpers bezieht sich auf dessen Potential, das Ahlers in ihren Arbeiten auszuloten, zu erweitern und zu verändern sucht: Etwa indem sie einzelne Körperteile isoliert und neu kontextualisiert, verniedlicht oder makroskopisch in den Fokus stellt, um so Fest- und Zuschreibungen zu unterlaufen. Dementsprechend geht es Ahlers in ihren Arbeiten auch nicht um die Ausschlachtung, sondern vielmehr um die An- und Rückeignung von Körpern.

Für ihre Lüneburger Ausstellung hat Daphne Ahlers eine Serie neuer Arbeiten realisiert: Stelen aus bekleideten Schaumstoffrollen auf beweglichen, im Boden fixierten Stäben. Diese reichen zwar nicht an „wirkliche“ Körper heran, können aber durchaus als Personifikationen unterschiedlicher Typen gelesen werden. Gleich einer Familienaufstellung – bzw. entsprechend jeder Community – stehen sie miteinander in Beziehung und sind nicht ohne Verbindung zueinander zu sehen. Alle in diesem Gebilde scheinen eine ganz bestimmte räumliche Position einzunehmen und ihre je spezifische Rolle zu spielen. Diese Rollen oder Identitäten sind jedoch „angezogene“, wird den leblosen Schaumstoffformen doch erst qua Ausstaffierung ihre Charakterisierung zugeschrieben. Hier blitzt kurz Ahlers Interesse für Mode auf. Darüber hinaus wird aber auch, wie es der Titel der Ausstellung bereits andeutet, das Moment des Scheiterns aufgerufen. „Die Langstreckensängerin“, eine an sich schon paradoxe Figur, da der Gesang niemals soweit reichen kann wie es die Langstrecke andeutet, wird im Kontext der Ausstellung jedoch umso mehr dem Misslingen Preis gegeben, als Klang einen Körper braucht, um zu klingen, die Schaumstoffkörper jedoch jeden Ton verschlucken und als Resonanzraum gänzlich ungeeignet sind. In den Arbeiten geht es aber auch um Selbst- und Fremdwahrnehmung, um Bewertung und Rückweisung von Bewertung, um Verhältnisse und Verhaltensweisen sowie deren soziale und politische Dimensionen, um Unbeweglichkeit und Instabilität, aber auch um Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Ausweichens und Sich-Entziehens. Man kann es vielleicht so sagen: Ahlers spannt hier einen Bogen vom einstigen Interesse am Körper(fragment) hin zum Körper in Beziehung, welcher zwar immer noch Fragment bleibt, aber darüber hinaus einen sozialen Körper bildet.

 

Arbeiten von Daphne Ahlers (*1986 Hamburg) wurden u.a. gezeigt bei Cordova, Barcelona (2018), in der Braunsfelder Collection, Köln (2018), im Neuen Essener Kunstverein, Essen (2018), bei Jo Brand, Glasgow (2018), bei Forde, Genf (2017), in der Galleria Acappella, Neapel (2017), in der Galerie Genscher, Hamburg (2016) und bei Sandy Brown, Berlin (2015). Als Lonely Boys hat sie zusammen mit Rosa Rendl performt u.a. bei Paris Internationale, Paris (2017), im Salzburger Kunstverein (2017), bei Bobs Pogo Bar KW, Berlin (2017), bei Sandy Brown, Berlin (2017), im Skulpturinstitut, Wien (2015), in der Halle für Kunst und Medien, Graz (2015) und beim 3HD Festival, Berlin (2015).

Kuratiert von Stefanie Kleefeld

 

Veranstaltungen

»Kinder führen Kinder«  & »Kinderclub«  mit Anna Prinz

Samstag, 09. Februar 2019, 11.00 – 13.00 Uhr

Für Kinder von 6 bis12 Jahren

Eintritt frei

Anmeldung unter: 

 

Kuratorinnenführung

Mittwoch, 20. Februar 2019, 19.00 Uhr

 

»Noch mehr Kunstgeschichten« – Workshop mit Maria Smith

Sonntag, 24. Februar 2019, 15.00 – 17.30 Uhr

Fuer Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Eintritt frei

Anmeldung unter: 

 

»Kunst und Kuchen« 

Konzert von Rosa Rendl

Sonntag, 24. März 2019, 16.00 Uhr

 

Die Ausstellung wird grosszügig gefördert durch die VG Bild-Kunst und den Lüneburgischen Landschaftsverband. Das Vermittlungsprogramm wird ermöglicht durch das Land Niedersachsen und die LAGS. Das Jahresprogramm der Halle für Kunst Lüneburg basiert auf der grosszügigen Förderung durch das Land Niedersachsen, die Sparkassenstiftung Lüneburg und die Hansestadt Lneburg.

 


Ausstellung

Geld und Psyche

Mit Arbeiten von Elisabeth Greinecker, Meschac Gaba, Nicolás Guagnini, Martin Hotter, Annette Kelm, Kitty Kraus, Ilya Lipkin, Jonas Lipps, Cildo Meireles, Gunter Reski, Sarah Szczesny und Amelie von Wulffen

 

 

 Ausgangspunkt der Ausstellung bildet ein Nachdenken darüber, dass Geld, obwohl es als gefühllos, neutral und berechenbar gilt, Einfluss auf unsere Psyche nimmt. So schreibt etwa die Malerin und Schriftstellerin Franziska zu Reventlow in ihrem Briefroman „Der Geldkomplex“ (1916), dass Existenzängste und Geldsorgen größeren negativen Einfluss auf die psychische Stabilität des Menschen haben, als beispielsweise in der Kindheit Erlebtes. In der Ausstellung geht es darüber hinaus aber auch ganz faktisch um Geld als Objekt und darum, wie eine an sich wertlose Materialansammlung zu Wert werden kann. Geld muss nämlich benutzt wie auch beglaubigt werden. Es muss zirkulieren und kann seine Funktion erst und nur erfüllen, wenn, obgleich es sich an den Einzelnen richtet, alle an seine Wertbeständigkeit glauben. Dass diese Glaubwürdigkeit aber auch unterminiert werden kann, zeigt sich in der Überlieferung, dass unter der römischen Besetzung Jerusalems die jüdische Bevölkerung die neu geprägten, oft wechselnden Münzen der Besatzungsmacht nicht akzeptierte, sondern ihre alte Währung einfach weiter verwendete. Hierin liegt ein Aspekt von Rebellion. Geld ist aber auch die Fähigkeit zur Transformation eingeschrieben, kann es sich doch in alle möglichen Dinge verwandeln, deren Wert es zunächst lediglich verkörpert. Geld hat ein unberechenbares Wesen. 
 
Ein weiterer Aspekt, der uns interessant erscheint, ist die überaus ambivalente Rolle, die Geld im Feld der Kunst einnimmt. Einerseits ist es treibender und nahezu alles bestimmender Motor. Gilt Kunst doch als vielversprechendes Anlage- und Spekulationsobjekt, dreht sich in amerikanischen Museen alles um Fundraising und stammen laut soziologischer Studien Künstler*innen meist aus finanziell besser gestellten Gesellschaftsschichten; was nichts anderes heißt, als dass man es sich leisten können muss, Kunst zu machen bzw. machen zu wollen, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch als denkbares Lebensmodell. Andererseits wird die Rolle des Geldes geradezu auffällig ausgeklammert und verdrängt. Soll es beim Kunstmachen doch keine Bedeutung haben, nicht Grund und Ziel der Beschäftigung sein. Kunst sei im Gegenteil Berufung, nicht Job. Mit diesem Credo geht die Vorstellung einher, dass eine solche Praxis unbestechlich und unabhängig von institutionellen wie ökonomischen Verwertungssystemen sei, mithin authentisch, was seit jeher im Zentrum des Marktbegehrens steht. All dies kommt einer Substanzialisierung, einer Aufladung von Kunst gleich, die sie zu etwas Höherem und Hehrem macht, welches sich jenseits von materiellen, sprich finanziellen Sphären verortet. Unter dieser Perspektive wird auch verständlich, warum im Feld der Kunst (ebenso wie in anderen Felder kultureller Produktion) mit symbolischem Kapital gehandelt wird bzw. gehandelt werden kann. Dieses löst sich (wenn überhaupt) jedoch erst sehr viel später in finanziellem ein und fußt auf einer kollektiven Bürgschaft, von der nur geglaubt, aber nicht gewusst werden kann, dass sie trägt. In diesem Gebundensein an eine das Faktische übersteigende Übereinkunft trifft sich das symbolische Kapital wiederum mit dem Geld.
 
Kuratiert von Stefanie Kleefeld und Ulla Rossek.

 

Die Ausstellung wir grosszügig gefördert durch die Stiftung Niedersachsen, die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Sparkassenstiftung Lüneburg. Das Vermittlungsprogramm wird ermöglicht durch das Land Niedersachsen, die LAGS und die Lüneburger Bürgerstiftung. Das Jahresprogramm der Halle für Kunst Lüneburg wird realisiert Dank der Förderung des Landes Niedersachsen, der Hansestadt Lüneburg und der Sparkassenstiftung Lüneburg. Unser Dank gilt zudem Sophie Hipp, Fürstenberg Zeitgenössisch, Donaueschingen, der Galerie Tanya Leighton sowie der Galerie Lars Friedrich.


Vermittlung

Licht und Schatten – Sommerferienworkshop für Jugendliche

Montag, 9. Juli – Freitag, 13. Juli 2018, 9-13 Uhr
Für Jugendliche von 12-16 Jahre
Ort: Halle für Kunst Lüneburg, Reichenbachstrasse 2, 21335 Lüneburg
Teilnahmekosten: 70 Euro*
Anmeldungen unter

Fotografieren hat euch schon immer interessiert und ihr möchtet wissen, wie es in der Zeit vor der Digitalka­mera und dem Smartphone funktioniert hat? Dann seid ihr hier richtig! In diesem Workshop werdet ihr gemeinsam mit der Kunstpädagogin Maria Smith eine Menge über Belichtung, Bildgestaltung und -komposition lernen und Fotos in einer echten Dunkelkammer entwickeln. Doch damit nicht genug – wir möchten euch einladen, im Rahmen der Workshopwoche euer eigenes gesellschaftspolitisches Anliegen zu verfolgen und dieses künstlerisch mit den Mitteln der Fotografie umzusetzen. In was für einer Gesellschaft möchtet ihr in Zukunft leben? Was läuft in euren Augen schief ? Wofür wür­det ihr euch gerne mehr engagieren, was liegt euch am Herzen? Kritik, Visionen und Wünsche sind herzlich willkommen. Die entstandenen Werke werden Eltern und Freunden am letzten Tag des Workshops in einer kleinen Ausstellung präsentiert.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

*Die Teilnahme an dem Angebot sollte nicht an den finanziellen Möglichkeiten scheitern. Sprechen Sie uns bei Bedarf gerne an!
Der Sommerferienworkshop »Licht und Schatten« findet im Rahmen der Ausstellung »Harsh Astral. The Radiants II« statt, die noch bis 22. Juli 2018 in der Halle fuer Kunst gezeigt wird.

Weitere Veranstaltungen

»Kunst und Kuchen« Spezial
& ab 16 Uhr Grill, Drinks und Fußball
& 18 Uhr Kurator_innenführung
& ab 19 Uhr »Mutant Autopilot Brushes« Open Karaoke Stage
Sonntag, 01. Juli 2018, ab 16 Uhr

Diese Ausstellung wird grosszügig gefördert durch das Land Niedersachsen, die Sparkassenstiftung Lüneburg, die Hansestadt Lüneburg sowie die Hypo-Kulturstiftung. Das Vermittlungsprogramm wird ermöglicht durch das Land Niedersachsen und die LAGS, das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben!, die Hansestadt Lüneburg und den Stadt Jugend Ring Lüneburg.


Vermittlung

Kinder führen Kinder & Kinderclub

Im Rahmen von »Kinder führen Kinder« erkunden wir zunächst gemeinsam mit der Kunstpädagogin Anna Prinz die gezeigten Arbeiten der aktuellen Gruppenausstellung »Harsh Astral. The Radiants II«. Wir werden uns zu einer interaktiven Reise aufmachen, die uns zu blinkenden Lichtern, einem ganz besonderen Blau und einer versteckten Plastik führt. Mit einer Menge an Eindrücken im Gepäck und unterschiedlichsten Materialien setzen wir schließlich auch noch unsere eigenen, künstlerischen Ideen um.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

»Kinder führen Kinder« & »Kinderclub« findet im Rahmen der Ausstellung »Harsh Astral. The Radiants II« statt, die noch bis 22. Juli 2018 in der Halle für Kunst gezeigt wird.

Weitere Veranstaltungen

Sommerferienworkshop »Malen mit Licht und Schatten« – Analoge Fotografie mit Maria Smith
Montag, 09. Juli – Freitag, 13. Juli 2018, täglich von 9 – 13 Uhr
Für Kinder und Jugendliche von 12 bis 16 Jahren
Kosten: 70 Euro
Anmeldung unter:

»Kunst und Kuchen« Spezial
Führung durch die Ausstellung mit Henning Bohl und Stefanie Kleefeld
Sonntag, 01. Juli 2018, 16 Uhr


Veranstaltung

Kunst und Kuchen Spezial KuratorInnenführung und »Mutant Autopilot Brushes« Open Karaoke Stage

Sonntag, 01. Juli 2018, ab 16 Uhr
Ort: Halle für Kunst Lüneburg, Reichenbachstr. 2, 21335 Lüneburg
Eintritt frei

ab 16 Uhr Grill, Drinks und Fußball
& ab 18 Uhr Kurator_innenführung  
& ab 19 Uhr »Mutant Autopilot Brushes

Im Rahmen von »Kunst und Kuchen« Spezial führen Henning Bohl und Stefanie Kleefeld durch die Ausstellung »Harsh Astral. The Radiants II«, die sie gemeinsam mit UNITED BROTHERS kuratiert haben. Im Anschluss öffnet erneut die »Mutant Autopilot Brushes« Open Karaoke Stage. Zudem gibt es Drinks, Gegrilltes und für die, die es mögen, Fußball.

»Kunst und Kuchen« Spezial findet im Rahmen der Ausstellung »Harsh Astral. The Radiants II« mit Arbeiten von Norimizu Ameya/Iwaki Sogo High School, Ei Arakawa, Nobuyoshi Araki, Henning Bohl, Kerstin Brätsch, Kerstin Brätsch/UNITED BROTHERS/Sergei Tcherepnin/Stefan Tcherepnin, Chaos* Lounge, Jay Chung & Q Takeki Maeda, Bontaro Dokuyama, Wenzel August Hablik, Oriza Hirata/Seinendan, Ryan Holmberg, Susumu Katsumata,  Erika Kobayashi, Jutta Koether, Kitty Kraus, Anita Leisz, Mutant Autopilot Brushes, Ariane Müller, Yuki Okumura, Pratchaya Phinthong, Terry Riley, Lucie Stahl und Alivia Zivich statt, die noch bis zum 22. Juli 2018 in der Halle für Kunst Lüneburg zu sehen ist.

Weitere Veranstaltungen

Sommerferienworkshop »Malen mit Licht und Schatten«  – Analoge Fotografie mit Maria Smith
Montag, 09. Juli – Freitag, 13. Juli 2018, täglich von 9 – 13 Uhr
Für Kinder und Jugendliche von 12 bis 16 Jahren
Kosten: 70 Euro
Anmeldung unter: 


Ausstellung

Vom Handeln

Mit Arbeiten von Will Benedict, Bernadette Corporation, Stephan Janitzky, Steffen Jørgensen, HC Playner, Puppies Puppies, Ulla Rossek und Diamond Stingily

 

Die Gruppenausstellung „Vom Handeln“ stellt eine gedankliche Fortführung der 3-teiligen Ausstellungsreihe dar, die 2016/2017 in der Halle für Kunst gezeigt und in der sich den Begriffen „Fantasie“, „Ausdruck“ und „Authentizität“ gewidmet wurde. Hintergrund war der Versuch, für jene Aspekte Begriffe zu finden, die an künstlerischen Arbeiten interessant sind. Also positiv zu benennen, was denn nun eigentliche die Aspekte sind, die auf Interesse und Resonanz stoßen, und nicht nur in einer Negation zu formulieren, dass sich manch zeitgenössische Kunst zu sehr im Durchdeklinieren von Referenzen, im Aufrufen eines kritischen Impetus, in einem Diskurs geschulten Vokabular oder in einer glatten Oberfläche erschöpft. Erstaunlicherweise rückten dabei vor allem Begriffe ins Blickfeld, die vornehmlich als obsolet und reaktionär gelten („Fantasie“, „Ausdruck“ und „Authentizität“). Was jedoch insofern interessant war, als sich postwendend die Frage stellte, ob sich diese Begriffe nicht auch jenseits eines klischeehaft-essenzialisierenden/substanzialisierenden Verständnisses für zeitgenössische Kunst nutzbar machen ließen. Und wenn ja, wie?

Wurde in den vergangenen Jahren zu Recht eine Kritik an entleerten kritischen bzw. politisch engagierten Kunstpraktiken immer vehementer, die sich nicht zuletzt in einem verstärkten Interesse seitens zeitgenössischer Künstler*innen am Uneindeutigen, Fantastischen, Surrealen, Poetischen, Magischen und Abjecten zeigt – in einem Begehren also, künstlerische Praktiken eben nicht mehr bruchlos an Diskurse, Referenzen oder Politiken anzubinden -, scheint die Gemengelage mittlerweile jedoch komplizierter. Zwar sieht sich das Aufrufen von Momenten wie „Fantasie“, „Ausdruck“ und „Authentizität“ nicht mehr gleich dem Generalverdacht ausgesetzt, einem hoffnungslos altbackenen Kunstbegriff zuzuarbeiten, doch gilt es nun Sensibilitäten dafür zu entwickeln, dass sich im Zuge einer Kritik am „Politischen als Stil“ (James Meyer) bzw. einer „Mainstreamisierung von Kritik“ (Helmut Draxler) nicht eine „Neue Empfindsamkeit“, gleichsam eine „Intensität als Stil“ einschleicht.

Auch wenn diese Gefahr – quasi als sich bereits am Horizont abzeichnender Schatten dieser neuen Empfindsamkeit oder Innerlichkeit oder Dringlichkeit zeitgenössischer künstlerischer Praktiken – im Rahmen der 3-teiligen Ausstellungsreihe schon mitgedacht und mitformuliert wurde, soll diesen Überlegungen nun Raum gegeben und mit der aktuellen Ausstellung das Motiv des „Handelns“ in den Fokus gerückt werden. „Handeln“ hier jedoch nicht verstanden als „Praxis“, sondern im Sinne Hannah Arendts Überlegungen zur „Vita activa – Zum tätigen Leben“, welches sich in einem Weltbezug, d.h. in einem Interesse für bzw. Sorgen um die Welt ereignet. Wobei sich hier wiederum auch von dem, in Reaktion auf die aktuelle weltpolitisch-gesellschaftliche Lage neuerlich an allen möglichen Ecken des Kunstfeldes (erneut) immer lauter werdendem Ruf nach dem „Politischen“ in der Kunst abzugrenzen ist. Schleicht sich doch so wieder eine Vereinnahmung bzw. Indienstnahme von Kunst ein – nämlich verantwortlich zu sein, einen (politischen) Beitrag zu leisten -, der sie weder gerecht werden kann noch muss. Denn die Vorstellung, Aufgabe der Kunst sei es „politisch“ zu sein, ist nicht nur äußerst idealistisch aufgeladen, auch kann Kunst gar nicht politisch radikal sein, da sie ansonsten Politik und nicht mehr Kunst wäre. Wolle sie nämlich politisch sein, so müsse sie die Dinge derart vereinfachen, dass sich jegliche Komplexität ästhetischer Erfahrung auflöse. Sie wäre dann pädagogisch oder agitierend. Auch wäre eine solche In-Eins-Setzung von Kunst und Politik brandgefährlich, denn, mit Christoph Gurk gesprochen, geht mit der Adressierung und Simulation des Politischen die Gefahr einher, dass diese zum Agenten einer massiven Entpolitisierung werde und zu einem „Ventil, das erlaubt, die Systeme umso effektvoller am Laufen zu halten“. Engagierte künstlerische Praktiken sind nämlich meist an kein konkretes politisches Subjekt und keine konkrete Situation gebunden, sondern kulminieren lediglich in einer „romantische(n) Idee (…) der permanenten Revolutionierung“ (Helmut Draxler). Revolution immer und nirgends, sozusagen.

Hinter all diese Überlegungen zum Verhältnis von Kunst, Politik und Engagement soll und darf nicht zurückgefallen werden. Dennoch versteht sich die Ausstellung keinesfalls als eine über Kunst und Politik. Ihr Anliegen ist es nicht, ein Bild davon zu entwickeln, wie „gute“ oder „zeitgemäße“ „politisch engagierte“ Kunst aussehen könnte; wie sie auch keinerlei Interesse daran hat, Kunst überhaupt in Kategorien aufzuteilen bzw. solchen zuzuordnen. Sehr vielmehr gründet auch sie – wie die gesamte Ausstellungsreihe – in einem Nachdenken über künstlerische Praxis im Allgemeinen und in dem Versuch jene Momente zu fassen, die an künstlerischen Arbeiten interessant sind. Wenn hier der Blick auf die auszulotende Ambivalenz zwischen dem Ästhetischen und dem Engagement fällt, auf das Changieren zwischen beiden Polen also, welches im besten Falle nicht still zu stellen ist, ist damit zugleich benannt, warum das Moment des „Handelns“ als gedankliche Fortführung eines Nachdenkens über „Fantasie“, „Ausdruck“ und „Authentizität“ gedacht werden kann; aber auch, warum in der Ausstellung selbst künstlerische Positionen gezeigt werden, die sich zwischen den Polen Ästhetik/Poetik und Engagement bewegen und, wie Hannah Arendt sagen würde, darum ringen, sich zur Welt in Bezug zu setzen.

Kuratiert von Stefanie Kleefeld

 

Veranstaltungen
Filmvorführung von Bernadette Corporation, „Get Rid of Yourself“, 2003
Samstag, 11. März, 20 Uhr

»Plakate gegen Rassismus – Visuelle Dimensionen von Rassismus und Solidarität« – Workshop mit Bernd W. Plake
Montag, 12. März 2018, ab 18 Uhr
Workshop fuer Jugendliche und Erwachsene

»Stammtischkämpfer*innen – Seminar « – Workshop mit Teamern von »Aufstehen gegen Rassismus«
Freitag, 16. März 2018, 11 – 17 Uhr
Workshop für Erwachsene

»Stadt, Rad, Kunst!« – Workshop mit Anna Prinz
Samstag, 17. März 2018, 11 – 14 Uhr
Workshop für Kinder von 7 bis 12 Jahren

»Kann Kunst mutig sein?« – Philosophieren über Mut mit Mona Harry
Sonntag, 25. März 2018, 15 – 16.30 Uhr
Workshop für Kinder von 6 bis 12 Jahren

»Mitglieder führen« – mit Florentine Muhry
Mittwoch, 28. März 2018, 18 Uhr

»Kunst und Kuchen« Spezial
Filmvorführung von »Hannah Arendt – Denken und Leidenschaft« (Jochen Kölsch, 2006)
und »Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt« (1964)
Sonntag, 8. April 2018, 16 Uhr

Die Ausstellung wird grosszügig gefördert durch das Land Niedersachsen, den Lüneburgischen Landschaftsverband, die Sparkassenstiftung Lüneburg und die Hansestadt Lüneburg. Das Vermittlungsprogramm wird ermöglicht durch das Land Niedersachsen, die LAGS, die VGH-Stiftung, die Lüneburger Bürgerstiftung, die Lotto-Sport Stiftung, den DGB, die IG-Metall und die „Respekt-Initiative“ der IGMetall.

 


Ausstellung

HARSH ASTRAL. The Radiants II

Mit Arbeiten von Norimizu Ameya/Iwaki Sogo High School, Ei Arakawa, Nobuyoshi Araki, Henning Bohl, Kerstin Brätsch, Kerstin Brätsch/UNITED BROTHERS/Sergei Tcherepnin/Stefan Tcherepnin, Chaos* Lounge, Jay Chung & Q Takeki Maeda, Bontaro Dokuyama, Wenzel August Hablik, Oriza Hirata/Seinendan, Ryan Holmberg, Susumu Katsumata,  Erika Kobayashi, Jutta Koether, Kitty Kraus, Anita Leisz, Mutant Autopilot Brushes, Ariane Müller, Yuki Okumura, Pratchaya Phinthong, Terry Riley, Lucie Stahl, Alivia Zivich

 

»HARSH ASTRAL. The Radiants II« ist eine gedankliche Fortsetzung der Ausstellung »The Radiants«, die 2015 in der Bortolami Gallery in New York stattfand, und war in anderer Form bereits im Frühling diesen Jahres in der Galerie Francesca Pia in Zürich zu sehen. Ging es schon in der New Yorker Ausstellung – vor dem Hintergrund des vierten Jahrestages des Erdbebens und der daraus resultierenden Krise im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, die sowohl Gründungsimpuls für die Green Tea Gallery als auch für UNITED BROTHERS war – um Radioaktivität im breiteren Sinne, so werden auch in »HARSH ASTRAL. The Radiants II« Arbeiten zusammengeführt, die den, mit dem Motiv verbundenen losen und assoziativen Fäden folgend nicht nur um Radioaktivität, sondern auch um Strahlung, Transformation und Energie im Allgemeinem kreisen und sich so in verschiedene Richtungen ausbreiten. Interessant ist dabei, dass Radioaktivität von einem grundsätzlichen Moment der Ambivalenz durchzogen ist, das jedoch weniger in dem Phänomen selbst, als vielmehr in seinem potentiellen Gebrauch gründet. Wohnt doch jeder Wissenschaft und Technik ein zugleich utopisches wie dystopisches Moment inne. Dass es hier auch nach dem – zumindest in westlich geprägten Ländern – Ende einer regelrechten atomaren Euphorie in den 1950er Jahren und ihrer damit beginnenden kritischen Infragestellung dennoch kein Entkommen gibt, zeigt sich nicht zuletzt in dem, drei Jahrzehnte nach Ende des kalten Krieges erneuert drohendem, nuklearen Aufrüsten; womit Radioaktivität jenseits ihrer ohnehin immerwährenden bedrohlichen zivilen Nutzung als Energiequelle erneut an politischer Sprengkraft gewinnt.

Kuratiert von UNITED BROTHERS, Henning Bohl und Stefanie Kleefeld


Veranstaltungen

»Mutant Autopilot Brushes« Karaoke Performance
Freitag, 25. Mai 2018, ab 20 Uhr

»Kinderclub« mit Anna Prinz
Sonntag, 10. Juni 2018, 11 – 13 Uhr
Für Kinder und Jugendliche von 6 bis 12 Jahren
Kosten: 3 Euro
Anmeldung unter:

Sommerferienworkshop »Malen mit Licht und Schatten« – Analoge Fotografie mit Maria Smith
Montag, 09. Juli – Freitag, 13. Juli 2018, taeglich von 9 – 13 Uhr
Für Kinder und Jugendliche von 12 bis 16 Jahren
Kosten: 70 Euro
Anmeldung unter:

»Kunst und Kuchen« Spezial
Führung durch die Ausstellung mit Henning Bohl und Stefanie Kleefeld
Sonntag, 01. Juli 2018, 16 Uhr
ab 16 Uhr Grill, Drinks und Fußball
& ab 18 Uhr Kurator_innenführung
& ab 19 Uhr »Mutant Autopilot Brushes« Open Karaoke Stage

Diese Ausstellung wird grosszügig gefördert durch das Land Niedersachsen sowie die Hypo-Kulturstiftung. Das Vermittlungsprogramm wird ermöglicht durch das Land Niedersachsen und die LAGS.


Veranstaltung

Kunst und Kuchen Spezial Filmvorführung von »Hannah Arendt – Denken und Leidenschaft« (Jochen Kölsch, 2006) & »Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt« (1964)


Sonntag, 08. April 2018, ab 16 Uhr
Ort: Halle für Kunst Lüneburg, Reichenbachstr. 2, 21335 Lüneburg
Laufzeit: 42 Min. & 72 Min.
Eintritt frei
 

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung »Vom Handeln« zeigt die Halle für Kunst zwei Filme über und mit Hannah Arendt. 1906 als Tochter säkular-jüdischer Eltern in Hannover geboren, studierte Arendt bei Martin Heidegger und Karl Jaspers Philosophie und Theologie bevor sie 1933 zunächst nach Paris und dann, 1941, in die USA emigrierte. Vom nationalsozialistischen Regime 1937 ausgebürgert, war sie zunächst staatenlos, bis sie 1951 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Im Exil in New York schrieb Arendt ihre wichtigsten Texte; darunter »Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft« (1951), »Eichmann in Jerusalem. Die Banalität des Bösen« (1963) sowie »Vita activa oder Vom tätigen Leben« (1958). Wobei ihre, im letzteren formulierten Überlegungen zum Handeln als Weltbezug, d.h. als Interesse für und Sorge um die Welt, Ursprung und Bezug der aktuellen Ausstellung bilden.

Die Dokumentation »Hannah Arendt – Denken und Leidenschaft« (Regie: Jochen Kölsch, Buch: Clarissa Ruge und Ursula Ludz, 2006, 42 Min.) zeichnet die Entwicklung der für das 20. Jahrhundert einzigartigen politischen Theoretikerin und Philosophin nach. Das Besondere des Porträts von Jochen Kölsch ist wohl das „Sich-Verweben“ der eigenen Aussagen Arendts mit denen von Freunden, Weggenossen und Familienangehörigen, die zum Teil erstmals über Arendt öffentlich sprechen. Die sich einander ergänzenden, oft jedoch auch auseinandergehenden persönlichen Schilderungen bilden eine Collage, die sich der facettenreichen Denkerin und ihrem zumeist kontrovers diskutiertem Werk auf verschiedene Weise nähert.

Das mittlerweile als legendaer geltende Gespräch zwischen Hannah Arendt und Günter Gaus (1964, 72 Min.) ist hingegen eines der seltenen Interviews, in dem die ansonsten eher medienscheue Arendt über sich selbst und ihr Werk spricht. Gaus selbst bezeichnete das Interview als eindrucksvollstes und ausdrucksstärkstes, das er je geführt habe. Im Zentrum des Gespräches, das im Rahmen seiner Sendung »Zur Person« stattfand, stehen Gegenwartsfragen zu politischem Denken und Handeln. Weitere Aspekte sind Fragen zu Geschlechterrollen sowie der Prozess Adolf Eichmanns, über den Hannah Arendt kurz zuvor ihr viel diskutiertes Buch »Eichmann in Jerusalem« veröffentlicht hatte. Darüber hinaus spricht Arendt über Flüchtlingshilfe und rechte Bewegungen sowie was es heißt, existenziell angegriffen zu sein. Wobei man bei all ihren Überlegungen und Äußerungen meint geradezu greifen zu können, wie Arendts Gedanken in ihr arbeiten.

»Kunst und Kuchen« Spezial findet im Rahmen der Ausstellung »Vom Handeln« mit Arbeiten von mit Arbeiten von Will Benedict, Bernadette Corporation, Stephan Janitzky, Steffen Jørgensen, HC Playner, Puppies Puppies, Ulla Rossek und Diamond Stingily statt.