Angst essen Seele auf, 1973. © Rainer Werner Fassbinder Foundation
ANGST ESSEN SEELE AUF
Antiarabischer Rassismus damals und heute
Veranstaltungsort: SCALA Programmkino
Rainer Werner Fassbinders Film Angst essen Seele auf (1973) erzählt die Liebesgeschichte von Emmi (Brigitte Mira) und Ali (El Hedi ben Salem). Zwischen der verwitweten Putzfrau und dem marokkanischen Gastarbeiter entwickelt sich ein zärtliches Miteinander, das jedoch auf Ablehnung und Ausgrenzung stößt. Auf ebenso mutige wie sensible Weise legt der Film alltägliche Diskriminierung und gesellschaftliche Doppelmoral offen – und bietet Anlass, um den wachsenden antiarabischen Rassismus in Deutschland in einem Publikumsgespräch zu diskutieren.
Entstanden in einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche, fällt der Film in die Zeit des Anwerbestopps für sogenannte Gastarbeiter:innen, der eine erste Zäsur in der deutschen Migrationspolitik markierte. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Krise und steigender Arbeitslosigkeit wirft Fassbinder ein Schlaglicht auf die sich ausbreitende Fremdenfeindlichkeit – die heute mehr denn je um sich greift. Antiarabischer Rassismus verzeichnet nicht nur einen massiven Anstieg in Deutschland, sondern auch eine neue Qualität: Er wird durch rechtspopulistische Diskurse zunehmend normalisiert und durch sicherheitspolitische Scheindebatten legitimiert, während er zugleich kaum öffentliche Aufmerksamkeit erfährt.
Das Publikumsgespräch zeichnet die Kontinuität orientalistischer Ressentiments und exotisierender Stereotypen nach – von denen auch Angst essen Seele auf nicht frei ist. In der gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Film wird deutlich, wie Fremdheit gesellschaftlich konstruiert und im Alltag wirksam wird – aber auch, wie sie überwunden werden kann.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem SCALA Programmkino und im Rahmen der Lüneburger Wochen gegen Rassismus statt.
Das Jahresprogramm der Halle für Kunst Lüneburg e.V. wird unterstützt durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, den Lüneburgischen Landschaftsverband und die Hansestadt Lüneburg.