Bryony Dawson
NON-PRODUCTIVE READERS #5
NON-PRODUCTIVE READERS ist eine Lesegruppe für informelle Gespräche über Kunst, Kulturtheorie und experimentelles Schreiben. Initiiert von BRYONY DAWSON im Jahr 2022 und benannt nach dem Essay The Non-Productive Attitude von Josef Strau, erkundet die Gruppe Themen wie Passivität, Ambivalenz, Scheitern und Verweigerung als wesentliche Aspekte kreativer und institutioneller Praxis. Vergangene Lektüren umfassten Texte von Lisa Robertson, Jean Genet, Tiqqun, Clarice Lispector, Katrina Palmer, Jalal Toufic, Gertrude Stein und Seth Price.
Die Treffen der Lesegruppe finden jeweils in den Pausen zwischen den Ausstellungen statt. Die ausgewählten Texte knüpfen dabei thematisch an Erfahrungen und Eindrücke der vorangegangenen Ausstellung an und geben zugleich eine inhaltliche Einführung in das nächste Projekt.
Die Diskussionen finden hauptsächlich auf Englisch statt, eine Flüsterübersetzung und deutsche Textversionen werden angeboten. Es sind keine Vorkenntnisse in Kunst oder Kulturtheorie erforderlich – nur die Motivation, gemeinsam zu lesen und zu denken.
Jede Sitzung widmet sich einem spezifischen Text, entsprechend besteht keine Verpflichtung, an der gesamten Reihe teilzunehmen. Stille Zuhörer:innen sind immer willkommen.
Um das Lesematerial zu erhalten, bitten wir um Anmeldung unter:
readinggroup@halle-fuer-kunst.de
-----------------------------------------------------
In der 5. Sitzung am 13.06.2026 lesen wir:
Anne Carson, Variations on the Right to Remain Silent, 2016
Ausgehend von den Gemälden Francis Bacons, dem Prozess gegen Jeanne d’Arc und den Übersetzungen Hölderlins – der „den Worten die Deckel herunterreißt und mit den Armen hineingreift“ – verteidigt Anne Carson das Unübersetzbare: die Leerstellen, Brüche und Widerstände, die entstehen, wenn Wörter von einer Sprache in eine andere gezogen werden. So verlockend es auch sein mag, diese Lücken mit Klischees zu überdecken oder auf vertraute Erzählungen zurückzugreifen, plädiert Carson für eine Form des Übersetzens, die „das Chaos und die Katastrophe“ sprachlicher Grenzen zulässt. Jenseits der Suche nach Verständlichkeit lädt uns das Unübersetzbare dazu ein, uns andere Formen der Begegnung mit einem Text vorzustellen.
Das Vermittlungsprogramm der Halle für Kunst Lüneburg e.V. wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der VGH-Stiftung, des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der Hansestadt Lüneburg.
BRYONY DAWSON arbeitet als Schriftstellerin, Kuratorin und gelegentlich auch als Künstlerin in Berlin und Wien. Sie leitet die Lesegruppe Non-Productive Readers sowie die Lesereihe Tribute und die Screening-/Performancereihe Multiplex. Ihre kreativen und kritischen Texte erschienen in Frieze, émergent magazine, Motor Dance Journal, Common Pink, Corridor8, Sore und auf Montez Press Radio veröffentlicht. Derzeit absolviert sie einen Master in Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste in Wien.
ANNE CARSON ist eine kanadische Dichterin, Essayistin, Übersetzerin und Altphilologin. Ihr Schreiben ist stark von der altgriechischen Literatur geprägt, greift jedoch ebenso auf zeitgenössische Kunst, Film, Anthropologie und Literaturkritik zurück. Zu ihren Büchern zählen Der bittersüße Eros (2020/1986), Rot (2019/1998) und Nox (2010) und ihre Übersetzungen von Sappho und Euripides stießen auf große Anerkennung. Carson erhielt den Griffin Poetry Prize und zahlreiche weitere Auszeichnungen und gilt heute als eine der bedeutendsten literarischen Stimmen der englischen Sprache.